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02.05.17 00:54 Alter: 53 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik
Von: Reinhard Köchl

Richard Kick feiert runden Geburtstag: Vom Sechziger zum Siebziger

Jeder, der ihn kennt, würde ihn wahrscheinlich wie folgt charakterisieren: Leichtathletik-Enthusiast, leidenschaftlicher Gitarren-Sammler, Liebhaber kerniger Riffs auf diesem Instrument, fit wie ein Turnschuh und auch im Rentenalter noch längst nicht mit seinem Latein am Ende. Am heutigen Dienstag, 2. Mai, feiert Richard Kick, Dreisprung-Disziplintrainer des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes (BLV), in München seinen 70. Geburtstag.


Leben und leben lassen: Richard Kick wird heute 70 Jahre jung. Foto: Luis Windpassinger

So ging Dreisprung früher, und so sollte er auch heute noch ausgeführt werden: Richard Kick bei einem seiner zahlreichen Einsätze im Deutschland-Trikot. Foto: Privat

Seinen jüngsten Erfolg konnte "Ritchie" Kick erst in der abgelaufenen Hallensaison feiern. Sein Schützling Paul Walschburger (LG Stadtwerke München), den er erst im Oster-Trainingslager 2016 in Brixen zum Dreisprung "verführte", holte sich in Sindelfingen den Deutschen Hallentitel der männlichen U 20 in eben jener Disziplin. Einer von vielen, aber gewiss nicht der letzte Beweis für die Spürnase des Geburtstagskindes, das ein Talent auch bei strammem Gegenwind quer über jeden Sportplatz riechen kann. Kick, der momentan bei der LG Stadtwerke München Yannick Wolf und David Faltenbacker trainiert, bei seinem Heimatverein TSV München Ost als stellvertretender Vorsitzender fungiert, der pensionierte Lehrer, passionierte Golfer, leidenschaftliche Gitarrenrocker und Hofbräuhaus-Stammgast, war selbst früher zu seiner aktiven Zeit einer der Großen der deutschen Leichtathletik.

Seine Karriere startete der gebürtige Oberpfälzer als Weit- und Hochspringer, aber auch als Zehnkämpfer beim TSG Süd Regensburg (1966 bis 1969). Danach wechselte Kick zur LG Regensburg (1970) und später zum TSV 1860 München sowie zum LAC Quelle Fürth. Er bestritt 26 Länderkämpfe für Deutschland, startete drei Mal bei Hallen-Europameisterschaften (1973, 1974 und 1977), ein Mal bei der Universiade (1973) und wurde 1990 noch einmal Senioren-Europameister in der M 40. Zwei Mal holte sich Richard Kick den Deutscher Dreisprung-Meistertitel (1972 und 1973) im Freien und 1974 auch in der Halle (16,22 Meter). Seine persönliche Bestleistung von 16,27 Meter stellte er 1973 in seiner zweiten Heimat München auf, Olympia 1972 verpasste er jedoch.

Nach einer zwischenzeitlichen Abstinenz von der Leichtathletik kehrte er vor einigen Jahren wieder auf die sportliche Bühne zurück und gibt seither seine immense Erfahrung als Coach weiter. Und Richard Kick tut dies in seiner ureigenen Art: Mit einer gewissen Portion Überzeugungskraft, bei der jeder sofort versteht, wer der Chef auf dem Platz ist, mit Trainingsmethoden, die man im allerpositivsten Sinn als "Old School" bezeichnen kann und die manchem Sporthochschul-Absolventen unter Garantie um Lichtjahre weiterbrächten, mit einer gesunden Prise Münchner Humor, den er längst mit allen Poren absorbiert hat, mit seinem legendären Charme und mit einer geradezu bewundernswerten Gelassenheit, wenn andere gerade dabei sind, die Nerven verlieren.

Ich selbst habe "Ritchie" als gradlinigen, ehrlichen Menschen, Kollegen und Freund kennen- und schätzen gelernt, mit dem man mitunter auch heftig streiten kann, ohne dass dabei etwas zurückbleibt. Ich schätze ihn als Ratgeber, als eigenen Kopf, der auch mal aneckt, als Motivator, als schlauen und schlagfertigen Schafkopfpartner, der sich fürchterlich über einen verlorenen Wenz ärgern kann, aber gnädig über jeden Fehler seiner Mitspieler hinwegsieht, und als derjenige in der aktuellen Leichtathletikszene, der - aus meiner Sicht - über den mit Abstand besten Musikgeschmack verfügt.

Seinen Siebzigsten wird er heute im kleinen Kreis unter Freunden feiern und vielleicht dabei auch sein kürzlich im Ostertrainingslager in Brixen für den Geburstag eines Freundes einstudiertes neues Lied singen: "Für immer jung" von Wolfgang Ambross und André Heller. Möglicherweise erklingt aber auch sein Lieblings-Dampfhammer "Can`t Get Enough" von Bad Company. Er kann nicht wirklich genug bekommen... von der Musik, von der Leichtathletik. Hoffentlich noch eine halbe Ewigkeit!

Alles Gute zum Siebzigsten, Ritchie!