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28.01.19 12:23 Alter: 27 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport, Laufsport
Von: Reinhard Köchl

Bayerische Hallenmeisterschaften Fürth: Weißblaue Leichtathleten bringen sich für DM in Stellung

Die Bayerischen Hallenmeisterschaften 2019 bei Männern und Frauen hinterließen gemischte Gefühle. Zum einen gab es einige wirklich hervorragende Leistungen zu bestaunen, mit denen sich die weißblauen Leichtathleten für die nationalen Titelkämpfe in Leipzig (16./17. Februar) in Stellung brachten. Zum anderen gab die abermals rückläufige Teilnehmerzahl durchaus zur Besorgnis Anlass. Die Glanzlichter setzten die Läuferinnen Miriam Dattke und Katharina Trost sowie Kugelstoßer Christian Zimmermann.


Parforceritt: Miriam Dattke pulversierte ihre bisherige 3000-Meter-Bestzeit gleich um zehn Sekunden.

Katharina Trost will über 1500 Meter unbedingt zur Hallen-EM. In Fürth fehlte ihr dazu nicht mehr viel.

Christian Zimmermann wirbelte die Kugelstoß-Hierarchie in Deutschland durcheinander. Bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften kam der Kirchheimer mit neuer Drehstoßtechnik zum ersten Mal über 19 Meter.

Patrick Schneider absolvierte ein strammes Programm bei seinem "Heimspiel" in der Fürther Quelle-Halle. Fazit: Die Form stimmt!

Adrian König-Rannenberg landete gleich zwei Mal ganz oben auf dem Treppchen. Der Neu-Höchstädter gewann über 800 und 1500 Meter.

Immer besser in Szene setzt sich Viertelmeiler Samuel Werdecker (links). In Fürth hielt er WM-Teilnehmer Armando Creve Marchava in Schach.

Aleksandar Askovic (Mitte) heißt der schnellste Mann Bayerns in der aktuellen Hallensaison.

Dagegen kam der 60-Meter-Titel von Marina Scherzl (57) überraschend.

Konstantin Wedel (405) zeigte ein starkes Rennen über 3000 Meter.

Die schnellste 4 x 400-Meter-Staffel Bayerns kommt im Winter 2019 von der LG Forchheim. Alle Fotos: Theo Kiefner

Vor allem in den Laufdisziplinen im weiblichen Bereich gab es zum Teil erschreckende Meldeergebnisse. So traten beispielsweise über 3000 Meter vier Frauen an die Startlinie, bei der weiblichen U 20 waren es gar nur deren drei und bei der weiblichen U 18 vier. Über 800 Meter ein ähnliches Bild: Bei den Frauen kamen gerade einmal vier Läuferinnen zusammen, ebenso wie übrigens über 400 Meter bei den Frauen. Beim Bayerischen Leichtathletik-Verband (BLV) wird ein Umdenkprozess in Gang gesetzt werden müssen, wie nicht nur in der Halle die Landestitelkämpfe zum einen für die Vereine und Sportler wieder attraktiver gestaltet werden können und zum anderen, wie man auch leistungsstarke Athleten wieder zu den "Bayerischen" lockt. Es geht um wirkungsvolle Rezepte gegen dieses keineswegs rein auf den Freistaat begrenzte Problem.

Dass die besten Leistungen des Wochenende in der Fürther Quelle-Halle ausgerechnet von zwei Läuferinnen kamen, stellte so etwas wie die Ausnahme einer bedauerlichen Regel dar. Am Samstag holte sich Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) mit einer deutlichen Steigerung den Titel über 3000 Meter bei den Frauen. Die Cross-EM-Sechste setzte sich gegen ihre neue Vereinskollegin Nada Ina Pauer durch. Es war nur bis etwa 2000 Meter ein Duell. Dann verschärfte Dattke im vereinsinternen Zweikampf gegen die Österreicherin das Tempo und holte sich den Titel. Die Zeit war beachtlich: Mit 9:14,61 Minuten legte die Regensburgerin fast zehn Sekunden zwischen sich und ihre Konkurrentin. Und auch ihre ein Jahr alte Bestzeit (9:24,89 Minuten) toppte die 20-Jährige um zehn Sekunden. Pauer wurde Zweite mit 9:24,01 Minuten und war am Schluss enttäuscht. Fast eine Minute dahinter landete Isabel Neese (TSV 1860 Rosenheim; 10:22,51 Minuten) auf dem Bronzerang.

Katharina Trost spekuliert auf EM-Norm

Für Katharina Trost (LG Stadtwerke München) wurden die 1500 Meter tags darauf ein ebenso zermürbendes Rennen gegen die Uhr wie für Miriam Dattke. Bis zur letzten Runde hatte ihre Münchner Trainingspartnerin Mareen Kalis noch für Tempo gesorgt. Am Schluss blieben die Uhren bei guten 4:16,43 Minuten stehen – eine Steigerung ihrer Bestzeit um gut drei Sekunden.

Ganz zufrieden war sie dennoch nicht. „Ich wollte gerne ein wenig schneller laufen“, meinte Katharina Trost anschließend. „So um die 4:10. Aber heute war das irgendwie nicht möglich. Ich fühle mich eigentlich gut und dachte, dass es eine bessere Zeit wird. Aber die Hallensaison hat ja gerade erst angefangen.“ Mit ihrer Wunschzeit würde die 23-Jährige die Norm (4:12,00 Minuten) für die Hallen-EM in Glasgow (Großbritannien; 1. bis 3. März) unterbieten. Kerstin Hierscher (LAC Quelle Fürth) unterbot als Zweite noch mit 4:32,30 Minuten die Hallen-DM-Norm, auf Platz drei landete Ann-Kathrin Wiertz (LAC Quelle Fürth; 4:43,54 Minuten), die am ersten Tag bereits die 800 Meter in 2:17,64 Minuten vor Johanna Beck (LG Karlstadt-Gambach-Lohr; 2:19,34 Minuten) und Sara Weichert (LG Bamberg; 2:19,58 Minuten) für sich entschieden hatte.

Bei den Männern ging die Meisterschaft über 3000 Meter ebenfalls nach Regensburg. Neuzugang Konstantin Wedel (LG Telis Finanz Regensburg; 8:22,36 Minuten) konnte sich allerdings erst in der letzten Runde gegen den jungen Nick Jaeger (TSV Penzberg; 8:23,51 Minuten) durchsetzen.Auf dem dritten Rang kam mit Tim Ramdane Cherif (LG Telis Finanz Regensburg; 8:28,22 Minuten) ein weiterer Läufer aus der Domstadt. Gleich zwei Mal Gold gab es für Adrian König-Ranneberg (LSC Höchstadt/Aisch). Der Neu-Höchstädter ließ sich sowohl über 800 (1:55,33 Minuten) wie über 1500 Meter (3:52,77 Minuten) nicht von der Pole-Position verdrängen. Über die vier Hallenrunden kamen Jakob Paul Rüchardt (Läuferclub Buchendorf; 1:56,15 Minuten) und Martin Weinländer (LSC Höchstadt/Ausch; 1:56,80 Minuten) auf die weiteren Medaillenränge, über 1500 Meter waren es Konstantin Wedel (3:53,25 Minuten) und Niklas Buchholz (LSC Höchstadt/Aisch; 3:54,87 Minuten).

Christian Zimmermann dreht sich in die deutsche Spitze

Der Jubel von Christian Zimmermann (Kirchheimer SC) war sogar außerhalb der Fürther Quelle-Halle zu hören. Im fünften Versuch des Kugelstoßwettbewerbes der Bayerischen Hallenmeisterschaften hatte der 2,05-Meter-Hüne gerade zum ersten Mal die 19-Meter-Marke übertroffen: 19,35 Meter standen am Schluss für den 24-Jährigen zu Buche – ein Fingerzeig in Richtung der deutschen Konkurrenz hinsichtlich der Medaillenvergabe bei der Hallen-DM in Leipzig, mit dem er sich aktuell hinter dem zweifachen Weltmeister David Storl sogar auf Platz zwei der deutschen Rangliste katapultierte.

„Endlich hat es mal geklappt“, freute sich Christian Zimmermann nach seinem neuen Hausrekord, vor dem man in der gesamten Halle eine Stecknadel hätte fallen hören können. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Auch die restliche Serie war beachtlich. Sein zweitbester Stoß landete bei 18,73 Meter. Nun will er diese Leistung, die ihm nach erfolgreicher Umstellung auf die Drehstoßtechnik gelungen war, unbedingt auch bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig bestätigen. Altmeister Robert Dippl (TSV 1880 Wasserburg) kam noch einmal auf den zweiten Rang mit 16,95 Meter vor Lukas Koller (LG Stadtwerke München; 15,94 Meter).

Auch die Frauen-Dauersiegerin der vergangenen Jahre, Sabrina Zeug (LG Oberland) lässt die Vier-Kilo-Kugel jetzt nach einer Drehung fliegen. Mit 13,93 Meter blieb sie nur knapp unter der 14-Meter-Marke. Zweite wurde Simon Schramm (12,85 Meter) vor Christina Holzner (beide LG Bamberg; 11,67 Meter).

60 Meter: Favoritensieg und Überraschung

Bei den 60-Meter-Sprints gab es am Samstag einen Favoriten- und einen Überraschungssieg. Bei den Männern ging Gold an Aleksandar Askovic (LG Augsburg), der nach Trainingsrückstand mit 6,87 Sekunden zufrieden sein musste, aber Nicolai Trageser (LG Stadtwerke München; 6,91 Sekunden) und Moritz Hecht (LG Forchheim; 6,96 Sekunden) in die Schranken wies. Der Deutsche Vizemeister über 400 Meter, Patrick Schneider (LAC Quelle Fürth), wurde hier Vierter in 7,05 Sekunden, zeitgleich mit seinem 17-jährigen Vereinskameraden Joshua Unger. Dagegen fand sich in der Frauenkonkurrenz die haushohe Favoritin Katrin Fehm (ESV Amberg) unverhofft auf Rang zwei wieder. Ihre Zeit von 7,71 Sekunden empfand sie als enttäuschend, nachdem sie mit einem nicht ganz auskurierten Virusinfekt ins Trainingslager nach Teneriffa gefahren war. Bayerische Hallenmeisterin wurde Marina Scherzl (LG Kreis Dachau; 7,64 Sekunden). Auf Rang drei kam Julia Hofer (1. FC Passau; 7,73 Sekunden).

Anders als in den Jahren zuvor will Patrick Schneider (LAC Quelle Fürth) 2019 in der Halle auch die 400 Meter laufen. Zur Vorbereitung darauf verordnete sich der Deutsche Vizemeister ein strammes Programm an Tag zwei der Meisterschaften, nachdem er am Samstag bereits zweimal über 60 Meter in die Blöcke gestiegen war. Zweimal 200 Meter, wobei er das Finale in guten 21,86 Sekunden klar vor Raffieo Dean Johnson (TSV Penzberg; 22,63 Sekunden) und Jakob Matauschek (LG Stadtwerke München; 22,66 Sekunden) für sich entschied, und am Schluss als Zugabe noch ein Einsatz in der 4 x 400-Meter-Mixed-Staffel – die zum ersten Mal überhaupt auf dem Meisterschaftsplan eines Landesverbandes stand.

Deutschland-Premiere der mixed-Staffel - mit bärenstarken Ingolstädtern

Doch Schneiders Einsatz half nichts gegen das übermächtige Quartett des MTV 1881 Ingolstadt, in dem mit der U 18-EM-Siebten Mona Mayer und dem neuen Bayerischen Meister Samuel Werdecker gleich zwei bärenstarke Langsprinter standen. Die Mixed-Staffel aus Ingolstadt gewann klar in 3:34,22 Minuten vor dem LAC Quelle Fürth (3:39,72 Minuten) und der Startgemeinschaft Ammer-Isar-Loisach (3:34,91 Minuten).

Mona Mayer hatte tags zuvor mit 55,30 Sekunden über 400 Meter einen guten Einstand in Hallensaison, war aber trotz Hallenbestzeit nicht ganz zufrieden. Sonia Keil (LG Augsburg; 57,41 Sekunden) und Vivian Heilmann (LG Hammelburg; 57,81 Sekunden) holten sich Silber und Bronze. Mayer gewann ebenso den Titel bei den Frauen wie ihr Vereinskamerad Samuel Werdecker bei den Männern. Der Ingolstädter lieferte sich über die beiden Hallenrunden ein packendes Duell mit dem außer Konkurrenz startenden WM-Teilnehmer Creve Armando Machava (PB: 46,86 Sekunden) aus Mozambique. Mit dem bessere Ende für Werdecker, er hatte in 48,44 gegenüber 48,57 Sekunden die Nase vorne. Silber ging an den erst 17-jährigen Vincente Graiani (LG Stadtwerke München), der mit 50,32 Sekunden sein Talent andeutete. Auf Rang drei landete Andreas Kölbl (TSV Penzberg; 51,25 Sekunden).

Jan Schindzielorz mit 40 Jahren unschlagbar

Mit 40 Jahren noch einmal ganz oben auf dem Siegerpodest: Gegen Jan Schindzielorz (LG Forchheim) war im 60-Meter-Hürden-Finale kein Kraut gewachsen. Seine 8,27 Sekunden nötigten auch seinen bis zu 21 Jahre jüngeren Konkurrenten Respekt ab. Aaron Willett (MTV 1881 Ingolstadt; 8,48 Sekunden) und Christoph Lange (TS Herzogenaurach; 8,65 Sekunden) mussten die Klasse von Schindizielorz - der in einem Einlagelauf seine Siegerzeit auf die Hundertstelsekunde bestätigte - neidlos anerkennen. Bei den Frauen holte sich Isabel Mayer (SWC Regensburg) in 8,70 Sekunden vor Julia Schneider (TSV Schleißheim; 8,80 Sekunden) und Sonja Brandl (LG Telis Finanz Regensburg; 9,11 Sekunden) den Bayern-Hürden-Titel.

Im Dreisprung war Paul Walschburger (LG Stadtwerke München) mit seiner Siegerweite von 15,18 Meter dagegen nicht zufrieden. Hinter ihm platzierten sich Gabriel Wiertz (TuS 1860 Pfarrkirchen), der 14,86 Meter sprang, und Patrick Lutzenberger (LG Stadtwerke München; 14,45 Meter). Die Frauenkonkurrenz ging an Jasmin Maxbauer (LG Eckental), der 11,82 Meter zum Sieg reichten. Mit Silber ließ sich Stefanie Stemplinger (TV Hauzenberg; 11,27 Meter) dekorieren, Bronze holte sich Vanessa Neubauer (FC Aschheim; 11,15 Meter).

Im Weitsprung der Männer kam Felix Wolter (TSV Gräfelfing) auf beachtliche 7,30 Meter, womit er sich klar von Domink Eckner (LG Forchheim; 6,88 Meter) und Leon Khavvam (LAC Quelle Fürth; 6,73 Meter) absetzen konnte. Bei den Frauen war Seriensiegerin Tina Pröger (TSV Zirndorf; 6,12 Meter) nicht zu schlagen. Zwischen ihr und der Zweiten Isabel Mayer (5,68 Meter) lag fast ein halber Meter, zur Dritten Jasmin Maxbauer (5,55 Meter) waren es noch mehr. Im Hochsprung der Frauen gab es ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten: Nadine Niemann (LAZ Obernburg-Miltenberg) holte sich den Hallentitel mit starken 1,76 Meter vor Jana Rieger (TSV Schleißheim), die sich über 1,66 Meter schwang, und Anna Latzko (LG Landkreis Roth; 1,63 Meter). Ebenso einsam seine Kreise drehte bei den Männern Manuel Marko (MTV 1881 Ingolstadt), der in seiner neuen oberbayerischen Heimat deutlich Höhenluft schnuppert. Diesmal reichten ihm 2,08 Meter zu Gold vor Andreas Plößl (SWC Regensburg; 1,99 Meter) und Benedikt von Hardenberg (LG Landkreis Roth; 1,95 Meter).

Naaß und Willett dominieren den Stabhochsprung

Die Stabhochsprungsieger hießen Oliver Naaß (TV 1860 Gunzenhausen) bei den Männern und Dorina Willett (MTV 1881 Ingolstadt) bei den Frauen. Naaß ließ mit übersprungenen 4,80 Meter den höhengleichen Julia Meuer (4,80 Meter) und Weitsprung-Sieger Felix Wolter (4,70 Meter) hinter sich, während Willett - die Ehefrau von Hürden-Vizemeister Aaron Willett - Eva Rossow und Anna Sailer (beide LAC Quelle Fürth und beide 3,60 Meter) mit übersprungenen 3,70 Meter auf die Stockerlplätze verwies.

Die 4 x 200-Meter-Staffel sahen bei den Männern die LG Forchheim in 1:29,99 Minuten vor der LG Stadtwerke München (1:32,79 Minuten) und dem TSV Schwabmünchen (1:32,96 Minuten) vorne. Bei den Frauen konnte sich die LG Kreis Dachau in 1:43,26 Minuten gegenüber der LG Forchheim (1:45,16 Minuten) und der LG Stadtwerke München (1:45,24 Minuten) durchsetzen.

Von den Bayerischen Meisterschaften der Altersklasse U 18 folgt ein eigener Bericht.