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30.06.20 20:04 Alter: 14 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport, Laufsport, Jugend / Schüler
Von: Reinhard Köchl

Wettkampfbetrieb in Bayern nimmt langsam Fahrt auf: Starker Einstieg für Zimmermann und Perner

Endlich wieder springen, sprinten, stoßen und - auch laufen! Das zurückliegende Wochenende brachte in Bayern mit fünf Wettkämpfen in vier Bezirken den nächsten Schritt bei der vorsichtigen Rückkehr zur Normalität im Wettkampfgeschehen nach über drei Monaten Stillstand. Ob in Regensburg, Gräfelfing, Wasserburg, Röttenbach oder Passau: Überall gab es trotz zum Teil strenger Hygieneauflagen auffällig viele strahlende Gesichter bei Sportlern, Trainern und Funktionären.


Jonas Perner verbesserte sich mit dem Stab in Gräfelfing gleich um über einen halben Meter.

Es war kein "Business as usual" wie in all den Jahren zuvor, sondern eher ein vorsichtiges Abtasten der Möglichkeiten, ein spürbares Erlernen von neuen Umgangsformen und Regeln, kombiniert mit dem deutlichen Willen, endlich wieder Leichathletik treiben und sich mit anderen messen zu dürfen. Aufgrund der Auflagen des Bayerische Innenministeriums muss dies von Stadt zu Stadt, von Gemeinde zu Gemeinde neu geregelt werden.

Während beispielsweise in der Landeshauptstadt München derzeit nur Sportfeste mit bis zu 100 Personen erlaubt sind, bekam Gräfelfing nur einen Katzensprung entfernt die Premiere seiner "G Town Athletics" für insgesamt 250 Menschen genehmigt. Knapp 50 waren es in Passau, wo das Meeting den Namen "Stützpunkt Passau Leistungsdiagnostik" trug. Auf einem ähnlichen Niveau bewegte sich die erste Auflage der "Oberpfalz Serie", die an zwei Tagen im Stadion am Regensburger Weinweg über die Bühne ging, und mit welcher der Bezirk einen Ersatz für die Oberpfälzer Meisterschaften finden wollte, die bekanntlich erst ab 1. August offiziell erlaubt sind. Normal waren dagegen die Namen des "Vereinsoffenen Springer- und Werfertages" in Wasserburg sowie des "1. Speerwurfmeetings" in Röttenbach.

Auch beim Anmeldeprocedere gab es zu beachten, dass die Begleiter mit den Sportlerinnen und Sportlern vorab benannt werden müssen. Ein Elternteil darf bei Minderjährigen mit ins Stadion, Zuschauer waren generell keine erlaubt. Alles verlief dabei erstaunlich ruhig und entspannt. In Gräfelfing beispielsweise hatten sich die Organisatoren neben dem inzwischen bereits bekannten Ausfüllen des Infektionsschutzbogens etwas Schlaues einfallen lassen, um die zulässige Höchstzahl nicht zu überschreiten: Jeder Besucher bekam aus einem abgezählten Haufen von Chips einen überreicht, den er beim Verlassen des Stadions wieder abgeben musste.

Ebenfalls kein Problem gab es mit der Neuerung des Innenministeriums, sämtliche Bahnen bei den Sprints wieder zu besetzen. Auch die kurzfristig ins Programm genommenen Läufe über 800 und 1500 Meter in Gräfelfing liefen reibungslos und ohne die andernorts sorgenvoll erwarteten Berührungen ab. Als spürbare Erleichterung wurde der Verzicht auf umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen an der Stabhochsprunganlage empfunden, während außerhalb des Wettkampfgeschehens rege Gespräche stattfanden - zu allermeist mit der gebotenen Abstandsregel. Leider vergaßen einige wenige junge Sportlerinnen hin und wieder, dass Umarmen im Jahr 2020 angesichts der nach wie vor herrschenden Gefahr durch das Virus zu den "No Gos" gehört. Eine Unsitte, die seltsamerweise auch manch erfahrener Trainer noch nicht in den Griff bekommen hat, weil er seine Schützlinge nach guten Leistungen oder zum Abschied scheinbar reflexartig herzen musste, ohne wahrscheinlich genauer darüber nachzudenken.

Solche Vorfälle blieben jedoch die absolute Ausnahme und sollten im Laufe der nächsten Wochen ganz von Bayerns Leichtathletik-Schauplätzen verschwunden sein. Bei den Leistungen stachen in Gräfelfing vor allem Kugelstoßer Christian Zimmermann (Kirchheimer SC) mit 19,44 Meter heraus. Domink Idzan (LG Stadtwerke München) schaffte in der männlichen U 18 genau 19,00 Meter. Bei den Frauen meldete sich Katrin Fehm (LG Telis Finanz Regensburg) über 100 Meter mit 11,77 und 11,79 Sekunden nach über einjähriger Verletzungs- und Krankheitspause wieder auf der Bahn zurück.

Im Stabhochsprung ließ der gerade erst in die U 18-Klasse aufgerückte Jonas Perner (LG Fichtelgebirge) mit einer Steigerung auf grandiose 4,81 Meter aufhorchen. Die weite Reise in den Westen Münchens hatte der vorjährige Deutsche M 15-Meister im Neunkampf noch mit einer Bestleistung von 4,22 Meter angetreten. Bei den Frauen überwand die 34-jährige Stefanie Dauber (SSV Ulm 1846) 4,21 Meter. Über 100 Meter Hürden lieferten sich Paulina Huber (LG Stadtwerke München; 13,77 Sekunden) und Isabel Mayer (SWC Regensburg; 13,82 Sekunden) ein spannendes Duell.

Mayer war tags zuvor auch in Regensburg beim ersten Teil der "Oberpfalz Serie" über 100 Meter an den Start gegangen (12,31 Sekunden). Ihre Vereinskameradin Anna-Lena Obermaier (SWC Regensburg) gewann den Hochsprung mit 1,70 Meter.

In Wasserburg sorgte Weitspringer Yannick Wolf (LG Stadtwerke München) mit einem Satz auf 7,19 Meter für die beste Leistung, während in Passau Sprint-Nachwuchshoffnung Annika Just (LAC Passau) mit 12,30 Sekunden in der W 15 eine erste gute Zeit in der noch jungen und hoffentlich noch andauernden Freiluftsaison ablieferte.