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05.05.19 13:33 Alter: 223 Tag(e)
Kategorie: Top Stories, Leichtathletik, Leistungssport, Wettkampfsport, Jugend / Schüler
Von: Reinhard Köchl

Bayerncup Ergoldsbach: Leichtathleten trotzen für den Teamgeist den winterlichen Temperaturen

Leichtathletik im Winter? Fast hatte es beim Bayerncuop 2019, der nach fünf Jahren wieder vom TSV Ergoldbach ausgetragen wurde, den Anschein. Temperaturen zwischen drei und fünf Grad, eiskalter Wind und streckenweise strömender Regen vermiesten so ziemlich jedem die Freude auf die gerade begonnene Freiluftsaison. Dennoch gab es bei den Bayerischen Mannschaftsmeisterschaften allen Widrigkeiten zum Trotz einen Aufwärtstrend zu beobachten: Der Teamgedanke lebt in der Leichathletik im Freistaat!


Schütze sich, wer kann: Die äußeren Bedingungen beim Bayerncup in Ergoldsbach ließen eher aus Winter als auf den beginnenden Frühling schließen.

Jana Lakner (Mitte) holte sich den Einzelsieg über 400 Meter bei der weiblichen U 20.

Regina Högl (Zweite von rechts) und Paul Fischer (rechts) zogen sich über 1500 Meter trotz unterschiedlicher Interessenslagen gegenseitig zum jeweiligen Sieg in ihrer Klasse.

Stimmungsvoller Bayerncup trotz nasskaltem Wetter. Cheforganisator Erich Woidy (rechts) hatte alles im Griff.

Hochspringer Lucas Mihota reichten 1,99 Meter zum Sieg bei den Männern.

Natalie Ott wurde im Weitsprung Zweite bei den Frauen.

Schnellste Sprinterin über 100 Meter mit 12,54 Sekunden war Tina Vetter (Zweite von links).

Einen "Heimsieg" landete das U 20-Team der LG Regions Landshut (Mitte) in der Weiblichen U 20 . . .

. . . während die LG Stadtwerke München (MItte) den Bayerncup bei den Männern vor der TS Herzogenaurach (links) und der LG Erlangen (rechts) gewinnen konnte. Alle Fotos: Armin Prosch

Erich Woidy, Chef der rührigen Veranstaltercrew des TSV Ergoldbach, haderte im Laufe des Tages gleich mehrmals mit den Kapriolen des Wetters: "Ausgerechnet heute!" Bei äußeren Verhältnissen, bei denen man nicht einmal den oft zitierten Hund vor die Türe gejagt hätte, mussten er und 328 Sportlerinnen und Sportler sowie 44 Mannschaften jedoch "ihren" Bayerncup 2019 durchziehen. Dabei waren lange Sporthosen und teilweise Handschuhe das begehrteste Kleidungsutensil. Auch wenn einige Teams kurzfristig absagten, so bleibt doch festzustellen: Die Talsohle des Vorjahres, als bei ähnlichen Witterungsverhältnissen nur ganze 28 Teams in Herzogenaurach angetraten, hat sich dankenswerterweise nicht wiederholt, selbst wenn die Zahlen aus den Vorjahren (bei besserem Wetter) in Erding 2017 (53) und Kitzingen 2016 (47) nicht ganz erreicht wurden.

Dies lag sicherlich auch am klangvollen Namen des Veranstaltungsortes Ergoldsbach, der 2014 mit 67 Mannschaften einen der besten und stimmungsvollsten Bayerncups überhaupt ausgerichtet hatte. Auch diesmal gab es, wie schon bei den U 16-Vergleichskämpfen mit Hessen und Baden Württemberg, einen Livestream, der auf Youtube übertragen wurde. Ein Kompliment gebührt überdies den bayerischen "Marktführern" LG Stadtwerke München und LAC Quelle Fürth, die sich nicht lumpen ließen und ihre Vorreiterfunktion unterstrichen, indem sie für jede der sechs Konkurrenzen jeweils eine komplette Mannschaft aufboten. Auch die LG Telis Finanz Regensburg beteiligte sich nach jahrelanger Abstinenz wieder mit einem Team in der weiblichen U 16. Großes Fans des Bayerncups wie der SWC Regensburg, der 1. FC Passau, der eigenes für den Bayerncup eine Startgemeinschaft mit Pfarrkirchen ins Leben gerufen hatte, sowie die LG Region Landshut (quasi mit Heimrecht) unterstützen die Veranstaltung sowieso schon zuverlässig seit vielen Jahren.

Auch wenn die erbrachten Zeiten, Weiten oder Höhen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei den allermeisten Athleten am Jahresende nicht Eingang in die Bestenliste finden dürften, weil die Bedingungen einfach zu schlecht waren, so galt es doch den Einsatz aller Sportler und Kampfrichter zu loben, die den Bayerncup 2019 letztendlich wieder zu einem echten Event erhoben. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, im kommenden Jahr eine Verschiebung des Termin in den September zu prüfen, verbunden eventuell mit einer vorherigen Abfrage bei den Stammteilnehmern.

Bei den Männern hatte sich die Anzahl der gemeldeten Teams von ganzen vier im Vorjahr immerhin auf acht verdoppelt, wobei die LG Stadtwerke München dank einiger hochkarätirger Teammitglieder auch den Sieg mit 65 Zählern einfuhr. So musste der ehemalige U 18-Europameister Lucas Mihota 1,99 Meter überqueren, um den Wettbewerb dann abzubrechen. Lukas Koller gewann sowohl das Diskuswerfen mit bärenstarken 55,96 Meter, was gleichzeitig die beste Leistung des Tages bedeuete, als auch das Kugelstoßen mit 15,99 Meter, während Florian Lickteug (TS Herzogenaurach) die 110 Meter Hürden bei einem "Gegensturm"mit über einer Sekunden Vorsprung (15,16 Sekunden) für sich entschied. Die Herzogenauracher erwiesen sich auch als die härtesten Konkurrenten der Landeshauptstäder und belegten mit nur vier Punkten Rückstand (61) Rang zwei vor der LG Erlangen (59).

Die Konzentration der Kräfte in Form einer Startgemeinschaft  mit dem TuS Pfarrkirchen hat sich für den 1. FC Passau bei den Frauen auf jeden Fall gelohnt. Mit 58 Zähler blieben die Niederbayern bei sieben Mannschaften vor dem SWC Regensburg (55) und der LG Region Landshut (48), die sogar noch mit einem zweiten Team ins Ziel kam. Für die Startgemeinschaft erwies sich vor allem Verena Preiner als fleißigste Punktesammlerin. Sie holte sowohl im Kugelstoßen (12,99 Meter) wie auch im Hochsprung (1,72 Meter) die volle Punktzahl, während sie pber 100 Meter Hürden bei erneut erheblichem Gegenwind mit 14,22 Sekunden hinter der überragenden Isabel Mayer (SWC Regensburg; 14,08 Sekunden) noch Zweite wurde. Für die Hausherrinnen von der LG Region Landshut landete Regina Högl in 4:52,98 Minuten über 1500 Meter einen Pflichtsieg.

Souverän und routiniert wurden die U 20-Jungs der LG Stadtwerke München ihrer Favoritenrolle gerecht. Bei im am schächsten besetzten Wettbewerb bei nur vier Mannschaften (nach drei Teams im Vorjahr war auch dies eine Steugerung) stand der Sieger der Münchner mit 33 Punkten vor der Startgemeinschaft Passau-Pfarrkirchen und dem LAC Quelle Fürth (beide 24) nie außer Frage. Im Diskuswerfen war Alexander (47,40 Meter) nicht zu schlagen, über 100 Meter Vincente Graiani (11,22 Sekunden), der auch ein Viertel der schnellen Stadtwerke-Staffel (43,39 Sekunden) verkörperte.

Das Pendant bei der weiblichen U 20 hieß in Ergoldbach LG Region Landshut und wurde beim "Heimspiel" mit am lautesten gefeiert. Die Niederbayerinnen, die bei insgesamt sieben Teams auch hier mit einer zweiten Mannschaft angetreten waren, holten zwei Punkte mehr (55) als der SWC Regensburg (53) und sechs mehr als die LG Stadtwerke München (49). Drei Einzelsiege machten den Triumph perfekt. Die besten Ergebnisse kamen einmal mehr von den Münchner Werferinnen Elisabeth Hafenrichter (Speer 46,33 Meter) und Cassandra Bailey (Kugel 12,88 Meter und Diskus 36,53 Meter).

Kein Jahr ohne einen Bayerncup für das LAC Quelle Fürth. Diesmal waren es die starken U 16-Jungs, die den Pott als Beste von sechs Teams mit nach Mittelfranken nahmen. Die Entscheidung fiel auch hier denkbar knapp aus. Mit 49 Punkten hatten die Fürther die Nase vor der LG Stadtwerke München (47) und der LAG Mittlere Isar (46) vorne. Der Quelle-Nachwuchs holte über 4 x 100 Meter (47,64 Sekunden), im Speerwerfen (Jannes Talarek; 37,94 Meter), über 800 Meter (Illias Boukechab; 2:13,48 Minuten) sowie über 100 Meter (Robert Schunk; 11,84 Sekunden) die volle Punktzahl. Starke Leistungen trotz der widrigen Witterung brachten ebenfalls Jonas Perner (LG Fichtelgebirge) über 80 Meter Hürden (11,47 Sekunden) und Mikosch Dahmen (LG Stadtwerke München) im Kugelstoßen (14,49 Meter).

Mit Abstand der teilnehmerstärkste Wettbewerb war auch in diesem Jahr die Konkurrenz der weiblichen U 16, bei der sich gleich zwölf Teams um den Bayerncup bewarben - mit dem besten Ende für die LG Stadtwerke München (90,5). Allerdings mussten sich die Oberbayern lange Zeit hart mit der Startgemeinschaft Passau-Pfarrkirchen (87) duellieren. Das LAZ Kreis Würzburg landete auf dem Bronzerang (76). Bemerkenswerte Resultate gab es hier gleich einige zu nennen: die 12,21 Sekunden von Annika Just (Startgemeinschaft Passau-Pfarrkirchen) über 80 Meter Hürden etwa bei -2,7 m/sec. und ihre 100-Meter-Leistung von 12,67 Sekunden, die 13,347 Meter von Antonia Helene Schulze (LG Stadtwerke München) im Kugelstoßen und ihre 30,44 Meter im Diskuswerfen, die 1,58 Meter von Kaya Russler (LAC Quelle Fürth) im Hochsprung oder die 33,49 Meter von Laney Schmid (TS Lichtenfels) im Speerwerfen. Erfreulich war hier vor allem die Tatsache, dass sowhl die LG Stadtwerke München, wie auch die Startgemeinschaft Passau-Pfarrkirchen und die LG Region Landshut den Wettbewerb gleich mit zwei Mannschaften beendeten.