Noah Cais; Noah Cais mit seinem Trainer Manuel Hein; Bilder Theo Kiefner

08.07.2026 07:53 // Von: Dieter Claus

Interview mit Noah Cais: In zwei Jahren vom Hobbyfußballer zum Deutschen Meister

Mit seinem Sieg über die 3 000 Meter Hindernis-Distanz und der Vizemeisterschaft über 800 Meter wurde Noah Cais (Laufgemeinschaft Wehringen) der erfolgreichste bayerische Athlet bei den Deutschen Meisterschaften der U23. Seine Karriere als Leichtathlet ist außergewöhnlich: Vor wenigen Jahren spielte Cais noch als Hobbyfußballer, erst 2024 begann seine Laufbahn als Mittelstreckenläufer. Wir sprachen mit ihm über seine Leistungsentwicklung, seine Zukunftspläne und über gesellschaftliche Aspekte des Leistungssports.

DIETER CLAUS

Zunächst einmal Gratulation zu Ihren Erfolgen bei den Deutschen Meisterschaften der U23. Mit welchen Erwartungen sind Sie jeweils an den Start gegangen. Es waren ja schließlich drei Läufe, die Sie an diesem Wochenende bestritten haben.

Noah Cais:

Vielen Dank! Grundsätzlich lag mein Fokus auf den 3 000 m Hindernis am Freitag – dort wollte ich auf jeden Fall den Titel holen. An die 800 m bin ich danach etwas lockerer herangegangen. Mein Ziel war es, sicher durch das Halbfinale zu kommen und auch hier im Finale eine Medaille zu holen, wenn die Beine nach den beiden Rennen noch mitmachen würden. Es ist genauso gekommen, wie ich es mir erhofft habe, und ich bin sehr zufrieden mit dem Wochenende.

Wie analysieren Sie Ihre Entwicklung in diesem Jahr.

Noah Cais:

Mit meiner Entwicklung in diesem Jahr bin ich super zufrieden. Das Training, das mein Trainer und ich konsequent durchziehen, passt sehr gut zu mir. Ich habe im Training schon gespürt, dass die Form absolut stimmt, und es ist ein gutes Gefühl, das dann auch im Wettkampf zeigen zu können.

Wie sind Sie eigentlich zur Leichtathletik und zum Langstreckenlauf gekommen?

Noah Cais:

Ich habe von klein auf im Verein Fußball gespielt. Als ich im September 2023 meine Polizeiausbildung begonnen habe, musste ich das Fußballtraining aus zeitlichen Gründen vernachlässigen. Da der sportliche Alltag bei der Polizei auch Laufeinheiten beinhaltet, kam ich so das erste Mal mit dem Langstreckenlauf in Berührung – und dabei fiel schnell ein bis dahin unentdecktes Talent auf. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Ausdauersport hat mich schließlich mein Ausbilder und jetziger Trainer Manuel Hein überzeugt, mit dem ambitionierten Lauftraining zu beginnen.

Wo wird Ihr Schwerpunkt in den kommenden Monaten bzw. Jahren liegen? Könnten Sie sich als Hindernisläufer vorstellen, bei Crosslaufmeisterschaften zu starten?

Noah Cais:

Mein Hauptziel ist es, mich sportlich stetig weiterzuentwickeln und mich weiterhin zu verbessern. Ich möchte mich auch auf internationaler Bühne beweisen. Deshalb liegt mein ganz Fokus im kommenden Jahr auf den U23-Europameisterschaften. Über eine Teilnahme an Crossläufen haben mein Trainer und ich uns bereits Gedanken gemacht. Ich bin nicht abgeneigt, in Zukunft mich auch bei Crossläufen auszuprobieren. Jedoch liegt unser Fokus eher auf der Hallen- beziehungsweise Freiluftsaison.

Sie sind noch sehr jung. Verraten Sie uns Ihre geheimen Wünsche als Läufer?

Noah Cais:

Das Wichtigste ist für mich, über die Jahre möglichst verletzungsfrei zu bleiben. Ein großes Ziel ist es natürlich auch, irgendwann im Erwachsenenbereich den Sprung auf die internationale Bühne zu schaffen.

Sport - Öffentlichkeit – Nachwuchsarbeit. Wie verorten Sie die Leichtathletik in den genannten Bereichen? Gibt es Chancen, dass sich die Leichtathletik hier besser positioniert?

Noah Cais:

Aus Athletensicht sehe ich eine große Chance darin, über die sozialen Medien noch präsenter zu werden. Ich denke, dass viele Menschen momentan gar keinen richtigen Bezug zur Leichtathletik haben – ganz anders als beim Fußball, wo der Sport einfach allgegenwärtig ist. Wenn man über Social Media zeigt, wie vielseitig unser Sport ist und was hinter den Kulissen passiert, könnte man diesen Bezug herstellen.