
Timur Ilik; Maximilian Rath; Lea Völcker; Emil Oppelt; Oliver Zeno Ispan; Alexander Mann; Sanja Kropf; Isabella Tikovsky; Amelie Giese; Bilder: Jan Papenfuss








EM U18: Deutscher Rekord und zwei Medaillen
Nach den überragenden Titelkämpfen 2024 mit den beiden Titeln von Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) im Hammerwurf und von Jakob Kemminer (TSV Ochenbruck) über 100 Meter waren die Erwartungen für Rieti nicht sehr hoch. Umso erfreulicher ist das insgesamt gute Abschneiden.
Bereits am ersten Tag zerstreute Maximilian Rath alle Zweifel an einer Meisterschaft ohne Medaille für Bayern. Im 3.000-Meter-Lauf lief er ein sehr konzentriertes Rennen und ging jedes Tempo mit. Nach seinem Antritt kurz vor der letzten Kurve sah es kurz so aus, als würde er das Rennen gewinnen können. Der Brite Joseph Scanes überholte Rath jedoch noch auf der Zielgeraden und sicherte sich in 8:09,19 Minuten den Sieg vor Rath. Dieser verbesserte seinen bayerischen Rekord auf 8:09,19 Minuten.
Stimmen zum Wettbewerb:
Maximilian Rath: „Ich hätte nie damit gerechnet! Nach 1 500 Metern dachte ich: Mir geht's irgendwie noch ganz gut! Aber die letzten 800 Meter waren dann schon sehr am Limit. 250 Meter vor Schluss dachte ich mir: Es geht doch noch! Und da bin ich nach vorne gegangen und habe einfach versucht, bis zum Ende durchzuhalten. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Ich habe einfach alles gegeben! Wie das Rennen laufen würde, war vorher überhaupt nicht absehbar, es hätte alles passieren können. Es hätte auch taktisch werden können, es war dann aber doch ziemlich schnell. Ich hatte mir vorgenommen, vorne dranzubleiben. Der Franzose wurde auf dem zweiten Kilometer ein bisschen langsamer, was uns entgegenkam. Besser hätte es kaum laufen können! Ich glaube, niemand hat damit gerechnet, dass wir hier zwei Medaillenplätze belegen.“
Am letzten Tag der Meisterschaft holte Lea Völcker die zweite Medaille für das Team im Hochsprung. Wenn der erste Sprung sitzt, dann läuft es bei ihr. Das hatte die 17-Jährige nach der Qualifikation verraten. Und im Finale bestätigte sich das am Sonntag. 1,66 Meter, 1,70 Meter und 1,74 Meter meisterte sie souverän im ersten Versuch. Mit einer blütenweißen Weste brachte sie sich somit gleich in Position für die Medaillen. Bei 1,77 Metern wurden schließlich die Medaillen vergeben. Und Lea Völcker? Sie musste zum ersten Mal in den zweiten Versuch gehen, überquerte die Höhe dann aber sicher. Die Jahresbeste Karina Nizynska aus Polen war im ersten Anlauf erfolgreich, die Italienerin Alessandra Bighi im dritten. Dann wurde die Latte auf 1,80 Meter gelegt. Bei dieser Höhe liegt die Freiluft-Bestleistung von Lea Völcker, in der Halle hat sie bereits einen Zentimeter mehr geschafft. Wieder blieb Nizynska fehlerfrei, und auch Lea Völcker hatte nach dem zweiten Versuch Grund zum Jubeln. Bighi bewies im dritten Versuch erneut Nervenstärke, übersprang 1,82 Meter im zweiten Versuch und übernahm damit die Führung. Für Lea Völcker war die neue Bestmarke hingegen zu hoch.
Stimme zum Wettkampf:
„Ich habe heute zum Einspringen nur einen Sprung gebraucht, dann haben wir gesagt: Es reicht.” Bei der Hitze war es echt anstrengend, aber es hat so viel Spaß gemacht! Der Druck war enorm groß, es war noch einen Tick schlimmer als in der Qualifikation. Aber ich habe versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren und Spaß zu haben. Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht hat die Hitze den anderen mehr zu schaffen gemacht als mir. Ich habe gar nicht auf die anderen geachtet. Irgendwann kam die Polin zu mir und sagte, dass wir nur noch zu dritt sind. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich Dritte bin. Ich freue mich so sehr, dass ich es geschafft habe, bei meinem ersten internationalen Wettkampf im Nationaltrikot eine Medaille zu holen! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, jetzt hier zu stehen. Am Anfang der Saison lief es noch nicht so gut, aber dann sind wir beim Anlauf einen halben Fuß zurückgegangen, damit ich mehr Speed aufbauen und einen besseren Steige-Absprung unter der Latte haben kann. Jetzt rufe ich erst einmal meine Eltern an.
Timur Ilik hatte bei den Deutschen U18-Meisterschaften mit 21,12 Sekunden über 200 Meter geglänzt. Dass dies kein Ausrutscher war, zeigte sich in Rieti. Obwohl er auf der wegen seiner Körpergröße eher ungeliebten Innenbahn laufen musste, lief er 21,17 Sekunden.
Im Ziel des Halbfinales konnte Timur Ilik gar nicht mehr aufhören zu jubeln. „Ja, ja, ja!”, schrie er seine Freude heraus. 20,86 Sekunden zeigte die Anzeigetafel an. Für den erst 16-Jährigen war dies ein Meilenstein in mehr als nur einer Hinsicht. Einerseits hatte er damit sein Halbfinale gewonnen und sich für das Finale qualifiziert. Zum anderen blieb er zum ersten Mal unter 21 Sekunden und brach damit den 19 Jahre alten deutschen U18-Rekord von Robert Hering (TuS Jena; 20,96 Sekunden). „Es fühlt sich sehr, sehr gut an. Ich bin dem Team sehr dankbar. Das Rennen ist optimal gelaufen“, sagte er. Bis zum Schluss hatte ihn der Brite Bronson Hearn-Smith gepusht, der in 20,89 Sekunden ebenfalls einen starken Eindruck hinterließ.
Im Finale bestritt der 16-Jährige das zweitschnellste Rennen seiner Karriere und verpasste die Medaillenränge nur um einen Hauch: In 21,10 Sekunden wurde er Vierter; Bronze ging an den zwei Hundertstel schneller Iker Piñeira aus Spanien. Mit einem neuen Meisterschaftsrekord von 20,70 Sekunden krönte sich Bronson Hearn-Smith zum Europameister. Silber holte sich der Pole Bartosz Pytlik in 21,01 Sekunden.
Der Hindernisläufer Emil Oppelt (LG Sempt) konnte sich mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 5:54,29 Minuten für das Finale über 2.000 Meter Hindernis qualifizieren. Hier lief er erneut ein sehr gutes Rennen. Er blieb als Siebter nur zwei Hundertstel über seiner Bestzeit.
Seine Stimme zum Wettkampf: „Es war ganz anders als das erste Rennen. Der erste Kilometer war super. Und auch hintenraus konnte ich noch gut mithalten, auch wenn es nicht ganz für die Spitze reichte. Es hat bei der Temperatur wirklich gut funktioniert. Den Sturz kurz vor dem Ziel habe ich gesehen, aber das war zu weit weg, da hätte ich nicht mehr eingreifen können.“
Oliver Zeno Ispan (LG Stadtwerke München) hatte sich als Achter für das Finale im Speerwerfen qualifiziert. Doch dem Deutschen Meister gelang kein guter Einstieg in den Wettkampf. Mit 58,13 Metern fehlten ihm einige Meter, um sich für den Endkampf zu qualifizieren. Es folgten jedoch Weiten von 64,84 und 65,02 Metern, die ihm den Platz im Finale sicherten. In den letzten drei Runden konnte er sich jedoch nicht mehr steigern, sodass es bei Platz acht blieb. Damit bestätigte er seine Position aus der Meldeliste.
Mit einer neuen persönlichen Bestweite von 7,28 Metern hatte sich Alexander Mann (TSV Ochenbruck) für das Weitsprung-Finale qualifiziert. Dort bestätigte er seine starke Form der Saison mit einem Sprung auf 7,15 Meter und belegte am Ende Platz neun.
Isabella Tikovsky (LG Sempt) und Sanja Kropf (TSV Burghaslach) hatten sich mit guten Zeiten in den 200-Meter-Vorläufen einen Platz in den Zwischenläufen gesichert. Auch hier gelang ihnen wieder ordentliche Zeiten. Für den Einzug ins Finale waren jedoch Zeiten nötig, die beide noch nicht erreichen können.
Sanja Kropf kam außerdem in der Medley-Staffel über 300 Meter zum Einsatz. Hier kam ihr zugute, dass sie auch über 400 Meter sehr gut ist. Das DLV-Team belegte einen guten siebten Platz.
Bei der Weitspringerin Amelie Giese (TSV Zirndorf) zeigten sich noch immer die Nachwirkungen einer Bänderverletzung, die sie sich beim Ländervergleich in Brixen zugezogen hatte. Daher konnte sie in Rieti nicht an ihre Top-Leistung anknüpfen.