Weltmeistertitel für Clara Hegemann
Die Meisterschaften auf dem Campus der University of Oregon sind für den Nachwuchs etwas ganz Besonderes. Das „Hayward Field“, ein reines Leichtathletikstadion mit großer Geschichte, in dem alljährlich die Diamond League mit den Prefontaine Classic Station macht, gehört ebenso wie die Unterkünfte zum Campus der Universität. „Da alle Athleten zusammen untergebracht waren, kam fast das Gefühl auf, in einem olympischen Dorf zu sein“, beschreibt Eni Kuske (TSV Zirndorf) die Stimmung rund um die Meisterschaft.
Erst am letzten Tag der Meisterschaft durfte Clara Hegemann zum Goldwurf ausholen. Das Hammerwerfen war die einzige Disziplin, die nicht im Stadion ausgetragen wurde. Etwas, das die Werferinnen jedoch nicht beeindruckte. „Die Anlage ist gut, darüber kann ich mich nicht beschweren, auch wenn es im Stadion natürlich mehr Spaß macht“, befand Hegemann nach der Qualifikation. Im Finale war die Stimmung beim Hammerwurf schon besser: Auf der Rampe zum Stadion standen die Mannschaftskollegen und feuerten die Münchnerin an. Sie sicherte sich im vierten Durchgang mit einem Wurf auf 68,99 Meter den Titel. Für die Ehrenrunde mit Deutschlandfahne und Goldmedaille ging es dann doch noch ins Stadion.
Im Halbfinale der 100-Meter-Hürden verbesserte Daryl Ndasi ihren eigenen bayerischen Rekord auf 13,10 Sekunden und qualifizierte sich damit sicher für das Finale. Es wurde ein sehr schnelles Finale, bei dem die Favoritinnen keine Schwäche zeigten. Die Weltjahresbeste Madeline Cooper aus den USA gewann den Titel in 12,91 Sekunden. Ndasi wurde in 13,11 Sekunden Fünfte. „Ja, ich bin schon stolz auf mich! Mein Fazit? Weitermachen, einfach immer weitermachen!“, gibt sich Ndasi zuversichtlich für die nächste Saison.
Aus seiner eigenen Sicht waren es Meisterschaften zum Vergessen. Auch wenn man es neutral betrachtet, nicht so krass sehen muss. Der deutsche 100-Meter-Rekordler Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) war mit dem Ziel, das Finale zu erreichen, angereist, verpasste dieses jedoch um vier Hundertstel. Damit belegte er den zwölften Platz auf Weltebene. Noch mehr ärgerte ihn ein Missgeschick nach dem erfolgreichen Staffel-Vorlauf, bei dem er die DLV-Staffel ins Finale führte. Beim Verlassen der Bahn trat er auf eine Umrandung und verletzte sich dabei. Damit konnte er im Finale nicht starten. „Das ärgert mich auch wegen der anderen“, zeigte sich Kemminer zerknirscht. Ohne ihren Schnellsten wurde die DLV-Staffel Siebter. Jetzt geht es für ihn erst einmal darum, die Verletzung auszukurieren.
400-Meter-Läuferin Eni Kuske hatte ihr Maximalziel schon mit dem Erreichen des Halbfinales erreicht. Das Beste kam aber erst noch mit der 4-mal-400-Meter-Staffel. Diese hatte sie im Vorlauf als Schlussläuferin mit einem Sieg vor dem Quartett aus Jamaika ins Finale gebracht. Im Finale war Eni Kuske die Startläuferin und sorgte so für einen guten Auftakt. Am Ende sicherte Hürdenläuferin Rekekka Feirle (Östlicher Bodenseekreis) dem DLV-Quartett den fünften Platz.
In den Vorläufen über 3.000 Meter Hindernis war ein Trio des BLV am Start, das ganz unterschiedliche Voraussetzungen hatte. Für Lena Rossmanith (TSV Marktoberdorf) war der Lauf in einem Weltklasse-Feld eine ganz neue Erfahrung. Das Überqueren der Hindernisse in einem engen Feld setzte ihr ebenso zu wie das hohe Tempo. Als Zehnte ihres Laufs fehlten ihr zwei Plätze, um in das Finale einzuziehen. „Es war eine tolle Erfahrung, hier dabei sein zu können“, fand sie. Levin Saveur (LG Stadtwerke München) und Marco Voggenreiter (LAC Passau) hatten sich hingegen das Finale zum Ziel gesetzt. Während es bei Saveur gut lief und er sich sicher für das Finale qualifizierte, hatte Marco Voggenreiter muskuläre Probleme und konnte sein Leistungsvermögen nicht abrufen. Im Finale bewegte sich Levin Saveur immer in der Gruppe hinter der Spitze und konnte sich mit einem starken Spurt noch den zehnten Platz sichern. „Top Ten der Welt hört sich gut an, darüber kann ich mich nicht beschweren“, fand er klare Worte.
Als Staffelläufer war Amir Bilal Chaib Cuti (TSV Marktoberdorf) ein gefragter Mann. Zunächst war er Startläufer der 4-mal-400-Meter-Mixed-Staffel und später der 4-mal-400-Meter-Staffel der Männer. Die Mixed-Staffel des DLV verpasste den Einzug ins Finale knapp. Das gelang der Männer-Staffel besser, hier gelang der Finaleinzug. Wenn auch nur knapp. Das zeigte sich auch im Finale, in dem das DLV-Quartett den neunten Platz erreichte. „Es war so geil!”, befand Amir Bilal Chaib Cuti nach seinem internationalen Debüt.
Für die Springer lief es nicht gut. Dreispringer Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) hatte technische Probleme und konnte daher nicht an seine guten Ergebnisse des Sommers anknüpfen. „So kann ich immerhin ein paar Erkenntnisse mitnehmen”, versuchte der 19-Jährige, dem Wettkampf etwas Positives abzugewinnen. Auch Hochspringer Keon Schmidt-Gothan (Munich Athletics) haderte mit seinen Sprüngen in der Qualifikation. So hatte er keine Chance, ins Finale zu kommen.



