
Svenja Pfetzsch; Florian Bremm; Georg Harpf - Andreas Bücheler; Marec Metzger; Karl Gattinger und Maximilian Achhammer mit Robin Ganter; Yannick Wolf; Noah Cais; Irina Gorr; Helena Kopp; Bilder Theo Kiefner









DM Halle Dortmund: Drei Titel und zwei bayerische Rekorde sorgen für Glanz
Bereits zu Beginn der Titelkämpfe am Freitagabend überzeugten die bayerischen Athleten. Den Anfang machte Kugelstoßer Georg Harpf (LG Stadtwerke München). Mit seiner persönlichen Bestleistung vom Mittwochabend angereist, legte er im ersten Durchgang gleich vor. Mit einer Weite von 19,52 Metern, die schon zum Titelgewinn gereicht hätte, überzeugte er im ersten Durchgang. Im dritten Durchgang erhöhte er auf 19,85 Meter. Im fünften Durchgang stimmte nahezu alles, und die Kugel flog auf 20,46 Meter. Damit sicherte sich der Zwanzigjährige nach dem U23-Rekord auch noch den bayerischen Rekord der Männer. Diesen hielt bisher Christian Zimmermann (Kirchheimer SC) mit 20,09 Metern, die er 2021 in Dortmund erzielt hatte, als er Deutscher Vizemeister wurde.
„Es ist gut, dass ich am Mittwoch die zwanzig Meter noch nicht erreicht habe“, blickte Georg Harpf auf eine erfolgreiche Woche zurück. „Es ist besser, die Weite bei einer Meisterschaft erzielt zu haben“, ergänzte er. „Auf eine 20 vor dem Komma hatte ich schon gehofft, aber das hat alle Erwartungen übertroffen“, freute sich sein Trainer Andreas Bücheler über die Leistung.
Auch beim Kugelstoßen der Frauen konnte er sich über die Leistung seiner Athletin freuen. Helena Kopp (LG Stadtwerke München) erzielte mit 16,69 Metern eine neue persönliche Bestleistung und belegte damit den vierten Platz.
„So habe ich mir das Rennen vorgestellt“, meinte Florian Bremm (Franconia Athletics) nach seinem Sieg über 3.000 Meter. Der 25-Jährige gestaltete das Rennen für seine Konkurrenten ungewohnt von der Spitze. Mit einem zügigen Tempo, das auf eine Endzeit von 7:50 Minuten hinauslief, war es für ein Meisterschaftsrennen sehr schnell. In seinem Windschatten liefen zunächst Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen), deutscher Rekordhalter über 3.000 Meter Hindernis, und Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig), deutscher Rekordhalter über 1.500 Meter – zwei Läufer, die ebenfalls schnelle Zeiten laufen können. Auf dem zweiten Kilometer machte Ruppert das Tempo, während Farken das Rennen wegen einer Verletzung aufgab. „Er hat ordentlich aufs Tempo gedrückt und es fast geschafft, mich abzuschütteln. Aber auf den letzten 400 Metern war ich stärker und habe mich auch gut gefühlt“, beschreibt Bremm die Rennsituation. Mit 7:42,05 Minuten war es eine sehr schnelle Zeit für ein Meisterschaftsrennen. Das zeigt auch ein Blick in die Ergebnisliste: Die Läufer auf den Plätzen drei bis dreizehn erzielten alle neue persönliche Bestzeiten. Bremms Teamkollege Maximilian Berger blieb als Neunter mit 7:59,90 Minuten zum ersten Mal unter acht Minuten.
Die Titel von Harpf und Bremm waren kleine, aber positive Überraschungen. Der Sieg von Svenja Pfetzsch (Munich Athletics) über 200 Meter kam hingegen völlig überraschend. Die 24-jährige Sprinterin hatte in dieser Hallensaison bereits sehr gute Rennen über 200 Meter absolviert und sich damit eine gute Ausgangsposition für die Deutsche Meisterschaft erarbeitet. Bereits im Vorlauf verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit auf 23,59 Sekunden und zog als Schnellste ins Finale ein. Dort hatte sie mit der Titelverteidigerin Jessica-Bianca Wessolly vom VfL Sindelfingen die stärkste Konkurrentin direkt auf der Bahn vor sich. Als sie als Erste über die Ziellinie lief, konnte Pfetsch es noch gar nicht glauben, dass sie den Titel gewonnen hatte. Erneut erzielte sie eine persönliche Bestleistung von 23,52 Sekunden. „Ich bin einfach mega stolz, dass ich mental und körperlich alles so auf die Bahn bringen konnte. Das ist nicht selbstverständlich. Jetzt hoffe ich, dass ich diese Lockerheit mit in den Sommer nehmen kann – und vielleicht noch ein Stück schneller laufen kann als heute.“ Erzählte sie im Sieger-Interview.
Die 4-mal-200-Meter-Staffel von Munich Athletics war mit der schnellsten Meldezeit an den Start gegangen. Im Finale wurde das Quartett Uphoff, Pfetsch, Miller und Ndasi jedoch von der Staffel des SCC Berlin überrascht. Diese hatte die in Bamberg wohnende 100-Meter-Europameisterin Gina Lückenkemper aufgeboten, die eine Lücke öffnete, die nicht mehr zuzulaufen war. Auf den letzten Metern zog auch noch die Staffel des TSV Bayer Leverkusen knapp vorbei, sodass es für die Münchnerinnen nur für Bronze reichte.
Bei den 200 Metern der Männer waren die Aussichten von Karl Gattinger und Maximilian Achhammer (beide LG Stadtwerke München) auf eine Medaille gut. Beide hatten in den Vorläufen gezeigt, dass sie auch um den Titel mitkämpfen wollten. Mit dem Titelverteidiger Robin Ganter (MTG Mannheim) hatten sie jedoch einen Konkurrenten, der im Finale noch einen Tick schneller war. Karl Gattinger lief mit 21,06 Sekunden und persönlicher Bestzeit zur Vizemeisterschaft, Maximilian Achhammer mit 21,27 Sekunden zu Bronze. „Die Bestleistung freut mich, aber die 21 Sekunden hätten schon fallen können. Leider hat es mir während des Laufs hinten in den Beuger gezogen“, erzählt Gattinger nach dem Lauf. Achhammer freute sich über Bronze. Er ergänzt jedoch, dass er sich auch mehr zutraut: „Im Training ist es immer sehr spannend zwischen Karl und mir, wer die Nase vorne hat.“ Auch der dritte Münchner, Jonas Grundei, zeigte eine starke Leistung und wurde Fünfter.
Die Verletzung von Karl Gattinger schwächte die 4-mal-200-Meter-Staffel der LG Stadtwerke München erheblich. Das Quartett Achhammer, Grundei, Traue und Kottmann gewann ihren Zeitlauf in guten 1:25,80 Minuten vor der zweiten Staffel der LG Stadtwerke mit Brantl, Schirmer, Schwab und Werdecker, die 1:27,16 Minuten liefen. Der Titel ging an den TSV Bayer Leverkusen, Silber ging an die erste Münchner Staffel und die zweite Staffel wurde Vierter.
Im Laufbereich ist Tobias Tent (LG Stadtwerke München) der Aufsteiger dieses Winters. Mit seinem bayerischen Rekord über 1.500 Meter hat sich der Zwanzigjährige an die nationale Spitze vorgekämpft. Dieses Selbstbewusstsein zeigte er auch im Finale über 1.500 Meter. Dort drückte der Top-Favorit Marius Probst vom ersten Meter an das Tempo. Mit starken 3:40,69 Minuten sicherte sich Tent die Silbermedaille. Seine Rennanalyse zeugt von Selbstvertrauen: „Marius hat das Rennen brutal schnell gemacht. Nach 400 Metern dachte ich: ‚Ach du meine Güte, hoffentlich wird der bald langsamer.‘ Aber ich konnte es durchziehen.“
Noch ein Jahr jünger als Tent ist Noah Cais (Laufgemeinschaft Wehringen). Er ist in der U20 meist über die Hindernisse gelaufen, ist aber im Winter fast unbemerkt auf die 800 Meter umgestiegen. Und das mit starken Ergebnissen. Im Finale ließ er sich etwas zu sehr vom hohen Tempo verleiten, sodass er auf den letzten Metern noch vom dritten Platz verdrängt wurde, aber mit 1:48,98 Minuten eine neue persönliche Bestzeit aufstellte. Damit ist auch der bayerische U23-Rekord von Klaus-Peter Nabein (LAC Quelle Fürth), den dieser 1982 aufgestellt hatte, in Reichweite.
„Ich wollte heute nur schön springen. Dass dabei eine Medaille herausgekommen ist, freut mich umso mehr“, erzählt Marec Metzger (TSV Gräfelfing) ganz locker an der Stabhochsprunganlage. Mit 5,50 Metern, die er im ersten Versuch überquerte, verbesserte er auch seinen eigenen bayerischen U23-Rekord. Eine verbesserte Technik begünstigte die konstanten Sprünge über Höhen von 5,40 Metern in dieser Saison. Mit der Silbermedaille im Gepäck geht es für ihn direkt in den Urlaub.
Das 60-Meter-Finale der Männer war extrem leistungsdicht. Fünf Sprinter blieben unter 6,60 Sekunden, und vier konnten die Norm für die Hallen-WM von 5,58 Sekunden erfüllen. Das gelang auch Yannick Wolf (Munich Athletics) mit exakt dieser Zeit, die für ihn eine neue persönliche Bestleistung markierte. Nur zwei Hundertstel fehlten ihm zur Silbermedaille, drei Hundertstel zu Gold und dem 46 Jahre alten bayerischen Hallenrekord von Christian Haas (LAC Quelle Fürth).
Bei ihrem ersten 400-Meter-Wettkampf in dieser Hallensaison verbesserte Irina Gorr (TSV Gräfelfing) ihre persönliche Bestzeit auf 53,51 Sekunden und qualifizierte sich sicher für das Finale. Katrin Fehm (ESV Amberg) lief mit 54,05 Sekunden ebenfalls persönliche Bestzeit, verpasste den Einzug ins Finale der besten Acht jedoch um sieben Hundertstelsekunden. Im Finale lieferten sich Irina Gorr und Luna Buhlmann (VfL Wolfsburg) einen Zweikampf um die Bronzemedaille. Den Gorr in 53,11 Sekunden zu 53,09 Sekunden verlor.
Auch bei den Männern war der Kampf um die Bronzemedaille über 400 Meter sehr eng. Thilo Traue (LG Stadtwerke München) lief mit 47,27 Sekunden nahe an seine persönliche Bestzeit heran, verpasste Bronze jedoch um 12 Hundertstel und wurde Siebter.
Eine Woche nach seinem Sieg bei der Deutschen U20-Meisterschaft im Dreisprung kam Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) nicht gut in den Wettkampf. Nach einem Versuch auf 15,34 Meter verzichtete er auf weitere Sprünge. Diese Weite reichte am Ende zu Platz fünf.
Hürdensprinterin Johanna Büchs (LG Main-Spessart) war die einzige bayerische Starterin, die das Finale über 60 Meter Hürden erreichte. Dort konnte sie ihre Leistung bestätigen und den siebten Platz erreichen.
Dreispringerin Christina Ammer (TuS 1860 Pfarrkirchen) wurde mit einer Weite von 12,67 Metern Achte.