Jana Lakner; Tobias Potye; v.l. Daryl Ndasi, Svenja Pfetsch, Denise Uphoff, Veronika Miller; Benedikt von Hardenberg mit Trainer Christian Hofmann; Florian Bremm; Brian Weisheit und Niklas Buchholz; Georg Harpf; Clara Hegemann; Luisa Tremel; Bilder Theo Kiefner

28.07.2026 15:08 // Von: Theo Kiefner

DM Wattenscheid: Bayern holt zwölf Medaillen

Für die bayerischen Athletinnen und Athleten war die 126. Deutsche Meisterschaft eine erfolgreiche Veranstaltung. Die Stimmung beim Stabhochsprung in Hannover war überragend, doch auch im Wattenscheider Lohrheidestadion beflügelte die Atmosphäre die Athleten. Mit drei Titeln, vier Silbermedaillen und fünf Bronzemedaillen fiel die bayerische Bilanz positiv aus. Hinzu kommt der bayerische Rekord von Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg) über 400 Meter.

Nach den guten Ergebnissen bei den Nachwuchsmeisterschaften ist es sehr erfreulich, dass sich dieser Trend auch bei den Frauen und Männern fortsetzen konnte. Besonders positiv ist, dass bereits so viele U20-Athleten Top-Acht-Platzierungen erreichen konnten.

Den ersten Titel der Titelkämpfe konnte Marec Metzger (TSV Gräfelfing) bereits am Donnerstag in Hannover gewinnen. Das Stabhochspringen wurde im Rahmen der „Finals” ausgetragen. Metzger gewann den Titel mit übersprungenen 5,40 Metern. Siehe extra Bericht.

Den zweiten Titel sicherte sich Tobias Potye (Munich Athletics) im Hochsprung mit übersprungenen 2,15 Metern. Mit dieser Höhe, die er im ersten Versuch übersprungen hatte, sicherte sich Potye seinen achten Deutschen Meistertitel. Glück im Unglück hatte er bei seinem ersten Versuch über die nächste Höhe. Beim Anlauf auf die 2,19 Meter brach er den Versuch wegen Wadenproblemen ab. Beim zweiten Anlauf war er zu nahe am Ständer und schlug mit dem Kopf dagegen. Mit einer Platzwunde am Kopf musste er den Wettkampf abbrechen. Da auch Frank Wendrich (LAZ Soest) diese Höhe nicht mehr schaffte, war Potye neuer Deutscher Meister.

Sein Trainer Sebastian Kneifel gab am nächsten Tag Entwarnung: „Es ist nur eine Platzwunde, die geklebt werden konnte. Einige Tage Pause, dann kann die Vorbereitung auf die EM beginnen.“ Seine Hoffnung ist dass auf die geringe Höhe bei der DM große Höhen bei der EM folgen werden. 

Während es letztes Jahr die Sprinter der LG Stadtwerke München waren, die sich den Titel über 4 x 100 Meter sicherten, gelang es in diesem Jahr den Sprinterinnen von Munich Athletics, sich den Titel zu sichern. In der Besetzung Veronika Miller, Denise Uphoff, Svenja Pfetsch und Schlussläuferin Daryl Ndasi zeigte das Quartett ein starkes Rennen. Als Siegerinnen des dritten und letzten Zeitlaufs gewannen sie in 44,01 Sekunden den Titel klar vor dem Hamburger SV.

Drei bayerische Sprinterinnen hatten es ins Finale über 400 Meter geschafft. Die schnellste Vorlaufzeit des Trios hatte Irina Gorr (TSV Gräfelfing) mit 52,01 Sekunden gezeigt, als sie ihren Lauf vor Jana Lakner gewann. Im Finale gewann Johanna Martin (LAV Rostock) den Titel in 51,28 Sekunden vor Jana Lakner. Lakner stürmte mit 51,60 Sekunden zu Silber. Damit verbesserte Jana Lakner ihren eigenen bayerischen Rekord. Irina Gorr wurde Fünfte und Mona Mayer (Munich Athletics) Sechste. 

Jana Lakner  im Gespräch mit leichtathletik.de 

Silber fühlt sich richtig gut an. Vor allem, dass ich die Saison noch einmal mit einer persönlichen Bestleistung abschließen konnte - und das ausgerechnet bei den Deutschen Meisterschaften. Das ist eigentlich genau der Traum: zum Saisonhöhepunkt seine beste Leistung abzurufen. Deshalb bin ich mit dem Rennen sehr zufrieden. Natürlich wäre Gold der Traum gewesen. Aber mit der persönlichen Bestleistung und der Silbermedaille kann ich trotzdem sehr zufrieden sein. Wir sind von Anfang an sehr schnell angelaufen. Schon bei 200 Metern war ein ordentlichen Tempo drin. Ich war deshalb froh, dass ich hinten raus meinen Rhythmus und meinen Schritt gut halten konnte. Ich werde mir das Rennen später noch einmal im Video anschauen.

Nach dem Fehlen des Ausnahmespringers Max Heß war der Dreisprung der Männer so offen wie schon lange nicht mehr. Die Bedingungen für die Springer waren jedoch alles andere als gut. „Der Wind drehte ständig, das war ein Problem“, beschreibt Benedikt von Hardenberg (LAC Quelle Fürth) die Situation. Nach einer Schambeinentzündung in der Hallensaison konnte er erst sehr spät in die Saison einsteigen. Im dritten Durchgang setzte er sich mit einem Sprung auf 15,51 Meter an die Spitze. Diese Leistung konnte er im vierten Versuch mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 15,66 Metern noch einmal steigern. Als vorletzter Springer zog Mohammad Amin Aslami (LAC Berlin) mit 15,67 Metern noch an ihm vorbei. Von Hardenberg hatte als letzter Springer noch die Chance zu kontern. Sein Sprung war richtig gut, nur die Landung war „wie bei den Kindern in der U10“, ärgerte er sich. Trotzdem waren es erneut 15,66 Meter. 

Für Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) war der achte Platz die Generalprobe für die U20-Weltmeisterschaft. 

Benedikt von Hardenberg im Gespräch mit leichtathletik.de

Ich habe sehr lange geführt, aber ich wusste ja, dass Mohammad [Alsalami] über 16 Meter springen kann. Deswegen war ich nicht überrascht, dass er mich von Gold verdrängt hat. Aber als ich gesehen habe, dass es nur ein Zentimeter war, habe ich mich schon ein wenig geärgert. Den einen Zentimeter kann man in der Analyse überall finden: Ich habe bei der Landung vielleicht zu viel Vorlage bekommen, das war am Brett nicht ganz optimal. Aber das gehört dazu. Letztendlich war er der Jahresbeste und hat absolut verdient gewonnen. Es ist meine allererste Medaille bei den Aktiven, deswegen bin ich super happy. Dazu bin ich noch Bestleistung gesprungen, gleich zweimal auf den Punkt. Die Form ist da.

Nachdem sich der deutsche Rekordhalter Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) auf die 5.000 Meter konzentriert hatte, war hinter dem Titelverteidiger Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) und Niklas Buchholz (Franconia Athletics) noch eine Medaille zu vergeben. Für ein Meisterschaftsrennen war das Tempo recht hoch. Als auf den letzten 600 Metern der Spurt angezogen wurde, konnte nur noch Buchholz an Bebendorfs Fersen bleiben. Dahinter kämpften Robin Müller (LG Ohra Energie) und Brian Weisheit (Franconia Athletics) um die Bronzemedaille. Silber ging an Niklas Buchholz und Bronze an Brian Weisheit.

Niklas Buchholz  im Gespräch mit leichtathletik.de

Ich freue mich über Silber. Karl ist leider so weltklasse, dass auch mit einem Sturz besser ist. Aber ich war näher an Karl dran, als ich gedacht hätte. Ich kann zufrieden sein, dass ich souverän Zweiter geworden bin. Das ist super. Ich habe mich auf verschiedene taktische Szenarien eingestellt. Es war sehr relevant für mich, dass Frederik Ruppert abgesagt hat. Für mich war der Rennverlauf gut. Das Tempo war schnell, aber noch gut zu laufen. Die Stimmung hier im Stadion war super. Der Stimmungsblock steht hinter einem, das ist wichtig. Insgesamt war die Saison jetzt schon lang für mich. Ich hoffe, dass ich in Birmingham das Finale und vielleicht eine Top-Acht-Platzierung erreichen kann.

Brian Weisheit im Gespräch mit leichtathletik.de

Ich hatte hier wirklich nur Außenseiter-Chancen auf eine Medaille. Ich habe mir vorher gesagt, ich lege mein Herz auf die Bahn. Ich habe hänge alles rein, was ich habe. Und wenn es reichen soll und ich in der richtigen Position bin, dann gehe ich auch voll rein und nutze die Chance. Und dass es heute geklappt hat, nach vielen Jahren, in denen ich mich immer schwer getan habe, bedeutet mir unfassbar viel. Ich kann das noch gar nicht so realisieren. Man hört über den Buschfunk, ob die Konkurrenz sich eine bestimmte Taktik überlegt. Am Ende wusste ich, dass ich mich einfach ranhänge, wenn das Rennen schnell wird und das hat geklappt.

Es war ein echtes Meisterschaftsrennen, bei dem niemand das Tempo machen wollte. So blieb die große Gruppe bis zum letzten Kilometer zusammen. In der letzten Runde wurde es dann richtig schnell. Mit einer 54er-Runde sicherte sich der Hindernisläufer Frederik Ruppert den Titel. Silber ging an Florian Bremm (Franconia Athletics). Maximilian Berger (Franconia Athletics) spurtete auf den vierten Platz.   

Florian Bremm im Gespräch mit leichtathletik.de

Natürlich will man immer gewinnen und ich habe in Hinblick auf die EM auch schon viel trainiert. Aber dass ich jetzt so platt im Rennen bin und mich so müde fühle, hätte ich nicht gedacht. Es war jetzt schon nicht so toll für mich, dass Freddy [Ruppert] so auf den letzten hundert Metern an mir vorbeigeschossen kommt. Auf den letzten tausend Metern habe ich mich auch nicht so frisch gefühlt. Deswegen denke ich, dass ich mein Training für dem EM jetzt anpassen muss. Ich habe mich besonders zu Beginn des Rennens in jeder Runde gefreut, wenn wir am Stimmungsblock vorbeigelaufen sind. Bei der EM möchte ich gerne eine Top-Acht-Platzierung erreichen. Ich denke, dass ist realistisch, wenn ich gut durchkomme.

Nach seinem Titelgewinn in der Halle sind die Ansprüche von Georg Harpf (LG Stadtwerke München) im Kugelstoßen gestiegen. Das erhöht den Druck bei einer Deutschen Meisterschaft zusätzlich. Wenn zu Beginn kein guter Stoß gelingt, wird es zäh. Im sechsten und letzten Durchgang gelang ihm mit 19,64 Metern doch noch ein guter Stoß, der ihm die Bronzemedaille sicherte. 

Georg Harpf  im Gespräch mit leichtathletik.de

Der Wettkampf heute war sehr anstrengend. Er hat sich sehr lange gezogen. Ich bin überhaupt nicht gut reingekommen. Bis zum dritten Versuch hat es sich überhaupt nicht gut angefühlt und da wusste ich, dass es jetzt auch nichts bringt und ich damit klar kommen muss. Am Ende ist das Ergebnis ok, aber nicht das, was man sich bei einer deutschen Meisterschaft vorstellt. Ich hatte heute technisch kein Gefühl mit der Kugel. Es hat nicht so geflowt, wie es optimal gewesen wäre.

Das 400-Meter-Finale der Männer war sehr schnell, und Thilo Traue (LG Stadtwerke München), der in Bayern als Aufsteiger der Saison gilt, war mittendrin. Er hatte sich ganz locker für das Finale qualifiziert. Auch im Finale versuchte er, das Tempo hochzuhalten. Als Jean Paul Bredau vom VfL Wolfsburg an ihm vorbeizog, wurden seine Beine schwer. Mit 45,30 Sekunden blieb Traue nur eine Hundertstelsekunde über seiner persönlichen Bestzeit.  

Thilo Traue im Gespräch mit leichtathletik.de

Man träumt natürlich immer, was möglich wäre. Aber ich glaube, es war am Ende voll in Ordnung. Ich bin sehr happy, wenn ich auch darüber nachdenke, dass ich letztes Jahr noch 47 Sekunden gelaufen bin und im Winter noch eine Schambeinentzündung hatte. Es ist meine erste Einzelmedaille bei den Aktiven. Ich habe mein Studium abgeschlossen und meine Eltern unterstützen mich, sodass ich mich auf den Sport konzentrieren kann. Es ist schön, wenn sich das nun auszahlt. In den letzten Monaten und Wochen ist so viel passiert, quasi von 'zero to hero'. Ich genieße das nun wirklich.

Auch wenn der erste Versuch im Speerwurf für Luisa Tremel (LG Stadtwerke München) noch keine gute Weite brachte, lief es für sie gut. Mit einer Weite von 56,73 Metern im dritten Durchgang sicherte sie sich den Einzug in das Finale. Dort gelang ihr mit 56,92 Metern noch eine kleine Steigerung. Damit wurde sie Dritte, zur Silbermedaille fehlten nur 19 Zentimeter. 

Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) kennt den Hammerwurf-Ring im Lohrheide-Stadion mittlerweile zur Genüge. Diese Meisterschaft war bereits die dritte, die sie in diesem Monat in Wattenscheid absolvierte. Nach Gold in der Altersklasse U20 und Silber in der Altersklasse U23 gab es bei den Frauen die Bronzemedaille. „Die Formkurve zeigt nach oben“, befand ihr Trainer Andreas Bücheler mit Blick auf die U20-Weltmeisterschaft. Mit 67,80 Metern bestätigte Hegemann ihre guten Leistungen in dieser Saison. Ihre Trainingspartnerin Johanna Marrwitz erreichte mit einer Weite von 63,77 Metern den sechsten Platz. 

Clara Hegemann im Gespräch mit leichtathletik.de

Mit der Weite an sich habe ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Ich hätte nicht erwartet, dass es heute so gut läuft. Ich habe mir heute weniger Druck gemacht. Ich wusste, dass es eigentlich egal ist, welche Platzierung ich erreiche, weil ich die WM Qualifikation schon geschafft habe. Dadurch bin ich deutlich lockerer an den Wettkampf herangegangen als sonst. Ich denke, genau deshalb hat es heute so gut funktioniert. Ich bin so überwältigt. Ich hätte als Kind nie gedacht, dass ich bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen und Männer irgendwann einmal eine Medaille gewinnen würde. Dass dieser Kindheitstraum jetzt in Erfüllung gegangen ist, ist etwas ganz Besonderes und ich freue mich riesig darüber.

Mit Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) und Daryl Ndasi (Munich Athletics) schafften es zwei weitere Sieger der U20-DM und U20-WM-Starter, das Finale im Sprint zu erreichen. Jakob Kemminer wurde mit guten 10,24 Sekunden Fünfter über 100 Meter und Daryl Ndasi belegte in einem schnellen 100-Meter-Hürdenrennen den sechsten Platz mit einer Zeit von 13,19 Sekunden. Für beide war dies eine gelungene Einstimmung auf die U20-Weltmeisterschaft.

Bei den Titelkämpfen vor einem Jahr in Dresden stürzte Hanna Bruckmayer (LG Telis Finanz Regensburg) im Ziel des 1500-Meter-Finales und brach sich das Schlüsselbein. Das Finale in Wattenscheid lief für sie deutlich besser. Im Spurt sicherte sie sich den vierten Platz. 

Weitere Platzierungen für Bayerische Athleten:

Platz 4: 4x100 Meter Staffel der LG Stadtwerke München mit Jonas Hügen, Daniel Schwab, Maximilian                     Achhammer und Maximilian Brantl

Platz 5: Stabhochsprung Ciara Sistermann (TSV Gräfelfing) 

             800 Meter Tobias Tent (LG Stadtwerke München) 

Platz 6: Dreisprung  Carina Beraz (LAC Quelle Fürth) 

             200 Meter  Jonas Grundei (LG Stadtwerke München) 

             Weitsprung  Maximilian Entholzner (Munich Athletics) 

Platz 7: 200 Meter Celine Kränzle (SC Vöhringen) 

             Kugelstoßen  Helena Kopp (LG Stadtwerke München) 

             800 Meter Vincente Graiani (LG Stadtwerke München) 

             Diskuswurf  Jakob Nützel (LG Neumarkt-Freystadt)

Platz 8: 800 Meter Jonas Storch (LG Stadtwerke München)