
Jakob Kemminer; Daryl Ndasi; Clara Hegemann; Levin Saveur; Marco Voggenreiter; Lena Rossmanith; Eni Kuske; Amir Bilal Chaib Cuti; Keon Schmidt-Gothan; Matias Neutzler; Bilder Theo Kiefner









Sechs Titel bei der Deutschen U20-Meisterschaft
Die Fürther Sprinter liefern aktuell Woche für Woche Top-Leistungen ab. Nach dem Gala-Auftritt von Timur Ilik legte sein drei Jahre älterer Trainingspartner Jakob Kemminer die Messlatte noch einmal höher. Mit seinen Steigerungen auf 10,23 Sekunden in dieser Saison war Kemminer nicht nur Titelverteidiger über 100 Meter, sondern auch Favorit. Dabei war ihm die Konkurrenz mit Lennox Schmidt (SCC Berlin) in puncto Zeiten dicht auf den Fersen. Doch schon im Halbfinale zeigte Kemminer mit 10,25 Sekunden, dass der Sieg an diesem Tag nur über ihn möglich sein würde. Im Finale hatte Kemminer für seine Verhältnisse einen guten Start, auch wenn er der Letzte war, der aus den Startblöcken kam. Im Lauf beschleunigte er am besten von allen und baute seinen Vorsprung weiter aus. Mit 10,14 Sekunden stellte er einen neuen Meisterschaftsrekord auf und egalisierte den 38 Jahre alten deutschen Rekord von Sven Matthes (SC Dynamo Berlin). Damit hat er zugleich die Norm für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien, 10. bis 16. August) geknackt, sich bei den Männern auf Platz drei der deutschen Jahresbestenliste katapultiert und seine Ansprüche für die U20-WM in Eugene nach oben geschraubt.
Im Gespräche mit leichtathletik.de zeigte er sich noch etwas ungläubig: „„Die EM-Norm bei den Männern zu rennen, das ist unfassbar. Das hätte ich niemals gedacht. Nachdem ich mich im Halbfinale noch etwas zurückgehalten habe, wollte ich im Finale alles reinhauen und Gas geben. Jetzt ist das Krasseste passiert, wovon ich geträumt habe. Bei der U20-WM werde ich auf jeden Fall starten, die EM in Birmingham ist eher unwahrscheinlich. Bei der DM der Aktiven in zwei Wochen bin ich aber dabei. International bleibe ich erst noch bei der Jugend.“
Daryl Ndasi (Munich Athletics) fiel nicht nur durch ihre schnellen Läufe über 100 Meter Hürden auf, sondern auch durch ihre auffällige Frisur. Mit ihrer bunten Perücke erinnerte sie ein wenig an die jamaikanische Sprinterin Shelly-Ann Fraser-Pryce. Die Zeit von 13,08 Sekunden im Halbfinale war wegen zu viel Rückenwind (+2,2 m/s) nicht rekordlistenfähig. Im Finale stimmten die Windbedingungen und Ndasi lief genauso gut wie im Halbfinale. Die Münchnerin konnte sich somit über Gold und einen neuen bayerischen Rekord freuen. Mit beachtlichem Vorsprung lief sie in 13,11 Sekunden als Erste über die Ziellinie und jubelte ausgelassen. Ihre Ausgangslage für die U20-Weltmeisterschaft ist mit dieser Zeit noch besser als die von Kemminer. Aktuell liegt sie damit auf Platz sieben der Weltjahresbestenliste.
Im Gespräche mit leichtathletik.de sprach sie über die Läufe und mehr: „Das Halbfinale hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Ich wusste, dass ich eine schnelle Zeit drin habe und das einfach nur auf die Bahn bringen muss. Bei der WM möchte ich – wie heute auch – wieder mein eigenes Ding machen und schauen, dass ich eine perfekte Zeit auf die Bahn bringe. Passend zur blauen Bahn hier in Bochum-Wattenscheid habe ich mich heute für hellblaue Haare entschieden, weil das gut matcht und ich das voll schön finde.“
Für die Hammerwerferin Clara Hegemann (LG Stadtwerke München) ist es fast schon normal, ihren Geburtstag bei einem Wettkampf zu feiern. Noch schöner ist es, wenn das mit einem deutschen Meistertitel gelingt. Eine Woche nach ihrem zweiten Platz bei der U23 sicherte sie sich an ihrem 19. Geburtstag den Titel. Ihre Siegesweite von 66,98 Metern erreichte sie im letzten Durchgang. Für die U20-Weltmeisterschaft hat sie von allen bayerischen Athleten die besten Chancen, da sie aktuell auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste steht.
Im Gespräche mit leichtathletik.de stellte sie klar: „Das war heute nicht mein bester Wettkampf, was mich ein bisschen ärgert, da der Saisonhöhepunkt immer näher rückt. Aber den Titel nehme ich natürlich trotzdem gerne mit. Vor der WM spüre ich jetzt schon ein wenig Druck, weil ich auf der Weltjahresbestenliste sehr weit vorne bin und auch den Deutschen U20-Rekord geworfen habe diese Saison. Darum möchte ich gern auch in Eugene dann wieder so weit werfen. Bevor wir in die USA fliegen, starte ich noch bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven in zwei Wochen und dann folgt schon das Pre-Camp.“
Die Hindernisläufe setzten den Schlusspunkt des ersten Tages, bei dem beide Titel nach Bayern gingen. Auch am Samstag bildeten die Langstrecken den Abschluss des Tages – erneut mit einem bayerischen Sieg. Die beiden Hindernisläufe hätten unterschiedlicher nicht sein können. Bei den Jungs war es ein echtes Meisterschaftsrennen mit verhaltenem Tempo.
Bei den Frauen ergriff Lena Rossmanith (TSV Marktoberdorf) hingegen früh die Initiative und lief das Rennen von der Spitze weg in hohem Tempo. In 10:13,23 Minuten schraubte sie ihren Hausrekord um sieben Sekunden nach unten. Das U20-WM-Ticket gab's obendrauf. Am Samstag sicherte sie sich noch Bronze über die 3.000 Meter, erneut mit persönlicher Bestzeit.
Im Gespräche mit leichtathletik.de beschreibt sie das Rennen so: "Es war für mich ganz gut, dass die Tempoarbeit erst einmal andere gemacht haben. Es war keine bewusste Entscheidung, wann ich das Tempo anziehe. Nach dem Hindernis war ich auf einmal vorn und dann dachte ich mir: Ich mache das jetzt einfach! Ich kann das noch gar nicht richtig realisieren dass so eine Zeit rausgekommen ist, ist einfach toll."
Die bayerischen Läufer hielten sich bei den Männern lange zurück, um im richtigen Moment bei der Tempoverschärfung dabei zu sein. Zu viert gingen die Führenden in die letzten zwei Runden. Dann setzte Levin Saveur (LG Stadtwerke München) seinen Rennplan in die Tat um, schob sich an Til Stephan (Erfurter LAC) und Jakob Rödel (SC DHfK Leipzig) vorbei und übernahm die Führung. In seinem Windschatten folgte Marco Voggenreiter (LAC Passau). Damit war der bayerische Doppelsieg perfekt.
Im Gespräch mit leichtathletik.de verriet Levin Saveur seine Taktik: „Das hatte ich mir mit meiner Trainerin Melanie Jäger so vorgenommen. Ich habe das ganze Jahr auf diese Meisterschaft hingearbeitet und wollte auf jeden Fall gewinnen.“
„Drei Jahre hat es gedauert, bis ich endlich zu einer internationalen Meisterschaft fahren kann“, freute sich Marco Voggenreiter im Ziel fast mehr als Levin Saveur.
Auch das 3.000-Meter-Rennen am nächsten Tag wurde im Spurt entschieden. Erneut war es Levin Saveur, der sich den Sieg sicherte.
In beiden 400 Meter Läufen ging die Silbermedaille nach Bayern. Für Eni Kuske (TSV Zirndorf) ging es bei der DM darum, sich die Nominierung für die U20-WM zu sichern, die Norm hatte sie in Vorfeld schon erfüllt. Bereits im Vorlauf zeigte die 19-Jährige, dass sie dazu in der Lage ist. Mit 53,88 Sekunden stellte sie eine neue persönliche Bestleistung auf und sicherte sich als Vorlaufschnellste eine gute Bahn für das Finale. Hier kam Kuske der Jahresbesten Luna Fischer (VfL Eintracht Hannover) auf der Zielgeraden noch einmal gefährlich nahe. Zum Sieg reichte es jedoch nicht. Mit 53,96 Sekunden sicherte sich Kuske den zweiten Platz und damit die Nominierung für die U20-WM.
In den Vorläufen war Johannes Lorz (LAC Quelle Fürth) mit 48,26 Sekunden der schnellste bayerische Läufer. Im Finale war es jedoch Amir Bilal Chaib Cuti (TSV Marktoberdorf) der sich noch mal enorm steigern konnte und mit 47,48 Sekunden zweiter wurde. Zur Norm für die U20 WM fehlten ihn nur acht Hunderstelsekunden. Lorz wurde im Finale siebter.
Am Samstag holte das Team Bayern mehrere Silbermedaillen. Auch im Hochsprung gab es in beiden Wettbewerben Silber. Keon Schmidt-Gothan (Munich Athletics) lieferte sich mit dem Frankfurter Jacob Thomä einen Zweikampf. Nachdem er 2,06 Meter übersprungen hatte, pokerte er und ging auf 2,12 Meter. Dies war jedoch an diesem Tag zu hoch für ihn. Ganz ähnlich ging es seiner Teamkollegin Florentine Toppe nach übersprungenen 1,75 Metern. Sie steigerte auf 1,81 Meter, um noch um den Sieg mitspringen zu können. Was aber an diesem Tag zu hoch war.
Die Silbermedaille war für Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München) im Dreisprung nicht das Ziel. Nachdem er im Vorfeld als einziger deutscher Dreispringer die U20-WM-Norm von 15,45 Metern gesprungen war, hatte er den Titel angepeilt. Er kam jedoch nicht optimal in den Wettkampf und lag nach fünf Durchgängen nur auf dem dritten Platz. Einen Platz konnte er noch gutmachen, zum Sieg reichte es jedoch nicht.
Für Tom Hedstück (LAG Mittlere Isar) war die Silbermedaille im Diskuswurf eine positive Überraschung. Im dritten Durchgang steigerte er seine persönliche Bestleistung auf 54,63 Meter und sicherte sich damit den Vizemeistertitel.
Von den fünf vierten Plätzen war der von Matias Neutzler (TSV 1860 Ansbach) im Stabhochsprung der überraschendste – und das mit einer ganz starken Leistung. Mit den geliehenen Stäben von Leo Trumpp (TSV Gräfelfing) steigerte er seine persönliche Bestleistung auf 4,92 Meter. Rang fünf ging hier an Jonas Henne (TSV Gräfelfing), der 4,82 Meter übersprungen hatte.
Weitere vierte Plätze gab es für Moritz Gutowski (LG Stadtwerke München) über 800 Meter sowie für Konstanze Irlinger (TV Jetzendorf) im Speerwurf. Im Kugelstoßen erreichten Johanna Guggemoos und Andreas Gröninger (beide LG Stadtwerke München) ebenfalls Rang vier.