Erfolgreicher Nachwuchs in Jerusalem: Georg Harpf (Silber im Kugelstoßen), Nils Leifert (Bronze im Hürdensprint) und Chantal Rimke (Silber im Kugelstoßen) präsentieren ihre Medaillen. Foto: privat

13.07.2022 10:25 // Von: Michael Wilms

Von der Eliteschule des Sports aufs U 18-EM-Podium: Georg Harpf

Von den 51 DLV-Talenten, die zur U 18-EM nach Jerusalem reisten, stammen sechs aus Bayern. Interessant ist, dass die Hälfte von Ihnen eine Eliteschule des Sports im Freistaat besucht, um Leistungssport und schulische Ausbildung optimal zu vereinbaren. Neben der führenden der europäischen Jahresbestenliste im Stabhochsprung in der Altersklasse U 18 und EM-Fünftplatzierten, Lilly Samanski (Gymnasium München Nord), sind das Kugelstoßer Georg Harpf und Kurzhürdensprinter Nils Leifert. Die beiden Letztgenannten konnten sich beim Saisonhöhepunkt in Israel ihre Medaillenträume erfüllen. Wir stellen den Silbermedaillengewinner im Kugelstoßen und den Bronzemedaillengewinner im Hürdensprint vor und haben kurz vor den Deutschen Jugendmeisterschaften mit ihnen über ihren Wettkampf in Israel gesprochen.

Teil 1 Georg Harpf

 

Kraft wie ein Wikinger

 

Aufgrund einer ähnlichen Frisur sowie einer vergleichbaren Statur wird Georg Harpf von seinen Trainingspartner:innen auch hin und wieder „Erling“ oder „Haaland“ gerufen. Wie der norwegische Ex-BVB-Kicker hat auch der Münchner Kugelstoßer eine enorme Durchschlagskraft. Statt einen Fußball ins Tor zu wuchten, nutzt der 16-Jährige seine Power, um sein Arbeitsgerät weit zu stoßen. In Georg Harpfs Altersklasse wiegt die Kugel bereits fünf Kilogramm. Die Bestleistung des Schützlings von Andreas Bücheler liegt aktuell bei 20,66 Meter, aufgestellt bei den Oberbayerischen Meisterschaften am 26. Juni.

 

Bei den Jugend-Europameisterschaften (4. bis 7. Juli) gelang ihm mit 20,16 Metern im ersten Versuch ebenfalls eine Weite über der magischen Grenze von 20 Metern. Mit diesem Resultat musste er sich lediglich dem Türken Ali Peker geschlagen geben, der 21,03 Meter erzielte. Sein Trainer Andreas Bücheler ist im Bayerischen Leichtathletik-Verband als Landestrainer für den Wurf- und Stoßbereich angestellt. Er reiste (als Tourist) extra nach Jerusalem, um seinen Vorzeigestoßer vor Ort zu coachen.

 

Georg Harpf besucht die FOS Unterschleißheim, die ihm momentan drei Trainingsfenster am Vormittag, einen angepassten Stundenplan sowie Schulbefreiungen für Wettkämpfe und Trainingslager ermöglicht. Er wohnt im Haus der Athleten in München, das ihm beste Möglichkeiten für ein pädagogisch betreutes und altersgerechtes Wohnen in gemeinschaftlicher Atmosphäre bietet. Das Internat befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Trainingsstätten des Bundesstützpunkts Leichtathletik. Zum Interview:

 

Wie hat es Dir in Israel gefallen?

 

Harpf: Jerusalem war eigentlich ganz cool. Das Hotel und das Stadion waren super. Das einzige was mir nicht komplett getaugt hat, dass es von den Bedingungen wirklich schon sehr heiß war. Nach meiner Vorleistung war eine Medaille auf jeden Fall das Ziel. Der Türke war sehr stark im Finale. Gerne hätte ich eine neue Bestleistung aufgestellt. Nach den Erlebnissen habe ich auf jeden Fall Bock, noch etwas mehr zu trainieren und noch einmal besser zu werden.

 

Wie bist du zum Kugelstoßen gekommen?

 

Harpf: Mit sieben oder acht habe ich ein paar Sportarten ausprobiert. Leichtathletik war auch dabei und hier bin ich beim MTV 1881 Ingolstadt geblieben. Später merkt man dann, wo die Stärken liegen und trainiert das dann mehr. Mein damaliger Trainer Tim Madalinski ist regelmäßig mit meinem jetzigen Trainer ins gemeinsame Trainingslager gefahren, sodass der Kontakt hergestellt werden konnte. Der Wechsel an die Eliteschule des Sports und nach München war dann der einzige Weg, um den Sport professionell weitermachen zu können.

 

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

 

Harpf: Ich stehe um sechs Uhr auf, frühstücke und fahre ins Frühtraining in die Werner-von-Lindehalle. Nach der Einheit geht es in die Schule oder ins Praktikum. Und von dort meistens wieder direkt zurück in die Lindehalle. Zum Abendessen bin ich im HdA (Haus der Athleten) und kann dort vor dem Schlafen gehen noch etwas entspannen.

 

Wie läuft das Frühtraining ab?

 

Harpf: Hier stehen meistens Stoßeinheiten an, bei denen wir an der Technik feilen. Im Winter wird voraussichtlich wieder mehr Kraft dazukommen.

 

Wie läuft es in der FOS?

 

Harpf: Aufgrund der Fahrt zur U 18-EM muss ich noch zwei Klausuren nachschreiben. Mit dem Lernen geht sich das bislang aber immer ganz gut aus.

 

Wie ist die Wohnsituation im Haus der Athleten?

 

Harpf: Aktuell wohne ich mit einem Beachvolleyballer in einem Doppelzimmer. Da er auf das Gymnasium München Nord und ich auf die FOS (Anm.: Beides Eliteschulen des Sports) gehen und wir nicht die gleiche Sportart machen, sehen wir uns leider recht selten. 

 

Welche Ziele verfolgst du im Sport und im Beruf?

 

Harpf: Bis zu den Männern ist es noch ein weiter Weg, aber hier möchte ich in den nächsten Jahren bei den Olympischen Spielen etwas reißen und vielleicht 21 Meter stoßen. Über meinen Beruf habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich habe auf jeden Fall noch ein Jahr in der FOS. Vielleicht werde ich dann versuchen, in die Spitzensportförderung der Bayerischen Landespolizei aufgenommen zu werden.

 

Jugendliche, die Interesse haben, auf eine Eliteschule des Sports in Bayern zu wechseln, finden alle nötigen Informationen und Ansprechpartner auf dem unten stehenden Link. Georg Harpf tritt am Wochenende bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm an. Er steht im Kugelstoßen auf dem ersten Platz der Meldeliste und im Diskuswurf auf Rang neun. Das Kugelstoßen findet am Samstag um 10.05 Uhr statt und das Diskuswerfen am selben Tag um 18:30 Uhr. Der Deutsche Leichtathletik-Verband bietet einen Livestream für die komplette Jugendmeisterschaft an.