Strahlende Gesichter vor grandioser Bergkulisse: die Deutschen U 20-Berglaufmeister mit der Mannschaft (von links) Luisa Frhner, Maria Krebfelder und Julia Rath // Im Nebel auf Platz vier: Maximilian Zeus // Beste bayerische Frau: Felicuitas Deutschkaemer // Julia Rath holte sich den Titekl am Berg und freute sich über Gold // Das Männerteam des PTSV Rosenheim mit Maximilan von Lippe, Bruno Schumi und Michael Eder // Die Rosenheimer Frauen mit Kerstin Esterlechner, Kristina Schollerer und Irmi Hobmaier. Fotos: Jörg Stäcker, Dieter Claus, Anton Gröschl

03.10.2022 21:23 // Von: Dieter Claus

Deutsche Berglauf-MS Jenner: Zeus landet neben dem Podest - Rath entschädigt sich mit Gold

23 Medaillen, davon acht goldene, aus 22 Wettbewerben in den Einzeldisziplinen stellen die Bilanz der bayerischen Bergläuferinnen und Bergläufer bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften am Jenner dar. Schnellster Läufer dem Freistaat war Maximilian Zeus (LG Telis Finanz Regensburg), der allerdings seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen konnte, schnellste bayerische Läuferin Felicitas Deutschkaemer (LG Allgäu).

Der übliche Touristenandrang war an diesem Sonntagmorgen an der Talstation der Jennerbahn nicht zu bemerken. Es war kühl, immer wieder setzte der Regen ein, am Gipfel des Jenners hingen dichte  Wolken. Um zehn Uhr fiel der Startschuss für die 153 Teilnehmer der Deutschen Berglaufmeisterschaften. Die rennenden Bergsteiger mussten nun 8,4 Kilometer und 1190 Höhenmeter bewältigen. Die Schwierigkeit der Streckenbeschaffenheit nahm mit der Höhe zu: zuerst Teer, dann Forstweg und auf den letzten 1,5 Kilometern ein Pfad mit schmierigen Passagen, die durchaus eine Gefahr darstellten. Wer würde als Erster aus der Nebelwand kurz vor dem Ziel auftauchen? Der Berglaufkoordinator des DLV, Kurt König, wollte sich auf keinen Favoriten festlegen.

 

Nach rund 47 Minuten erschien eher unerwartet Julius Ott (TSG 1862 Weinheim) nach der Kurve und wurde damit vor Lukas Ehrle (LG Brandenkopf) und Benedikt Hoffmann (TSG 1845 Heilbronn) Deutscher Berglaufmeister 2022. Als vierter Läufer kam der Vorjahresmeister Maximilian Zeus mit einem Rückstand von zwei Minuten auf den Sieger ins Ziel. „Es kann im Leben nicht nur bergauf gehen, der vierte Platz ist undankbar, aber in diesem Feld ist dies doch eine gute Leistung. Maxi kann eben nicht fünf Monate im Jahr eine Höchstleistung bringen“, kommentierte Kurt König die Platzierung des besten Bergläufers aus dem Regensburger Team. Bei den Frauen verteidigte Laura Hottenrott (GSV Grün-Weiß Baunatal) ihren Titel. Da die aktuell beste bayerische Bergläuferin Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) nicht startete, ergab sich auf Bayern bezogen eine Chance für eine Außenseiterin. Sie hieß am Sonntag Felicitas Deutschkaemer und kam als Sechste im Gesamtfeld ins Ziel. Die 26-jährige Sportwissenschaftlerin aus Burgberg unweit von Sonthofen hat erst dieses Jahr mit dem Berglauf angefangen, kann aber eine 10 Kilometerbestzeit von 36:50 Minuten vorweisen.

 

Die beste bayerische Jugendliche am Berg wurde bei diesen Meisterschaften Julia Rath (LAC Quelle Fürth). Sie vergoldete ihren zweiten Platz des Vorjahres nun zum Titel in diesem Jahr. Für Rath war diese Leistung eine Art Wiedergutmachung für entgangene Medaillen bei der DM-Jugend in Ulm in diesem Jahr, als sie krankheitsbedingt passen musste. Und es sollte an diesem kalten Septembertag nicht die letzte Medaille für die 18-Jährige werden. Mit Marie Kebelder und Luisa Frehner stand sie schließlich für die LAC Quelle Fürth auf dem Siegerpodest der weiblichen Jugend U 20.

 

Bei den Senioren fehlten einige bayerische Spitzenläufer, unter anderem Thomas Kotissek (LG Allgäu), dem nach seinen Siegen bei der DM über zehn und 21,1 Kilometer eine Coronainfektion den Hattrick verwehrte. Aus dem ehemals immer wieder siegreichen Trio des LLC Marathon Regensburg stammt Marco Benz. Am Jenner gewann der 42-Jährige im Trikot der Skivereinigung Amberg die Meisterschaft in der M 40. Die schnellsten Senioren Bayerns am Berg in den Altersklassen M 55 und M 65 heißen Josef Streicher (TSV Peißenberg) und Wolfgang Leonhard (LG Allgäu). Binnen zwei Wochen holte sich Viktor Daudrich (SVG Ruhstorf/Rott) den Titel in der M 70 über zehn Kilometer und nun am Berg. Wer sollte ihm bei den Bayerischen Crosslaufmeisterschaften 2022 in Zenting, die sein Verein organisiert, den Titel in seiner Altersklasse streitig machen?

 

Christine Sachs (LG Mettenheim) ist eine der wenigen bayerischen Läuferinnen, die bei allen drei Deutschen Meisterschaften der vergangenenzwei Wochen an der Startlinie stand. Und dieses Mal rundete sie gelungen die Serie mit dem Titel ab. Als beste bayerische Seniorin am Berg bewies sich ein weiteres Mal Kerstin Esterlechner (PTSV Rosenheim), was dann den Titel in der W 40 bedeutete und zugleich mit Kristina Schollerer und Irmi Hobmaier die Goldmedaille in der Teamwertung für die Rosenheimer Frauen. Bruno Schumi (PTSV Rosenheim) ging mit der Absicht ins Rennen, für die Mannschaft eine Platzierung unter den drei besten Teams zu erreichen. Mit seinem zweiten Platz in der M 35 trug er wesentlich dazu bei, dass die Rosenheimer Männer mit den weiteren Läufern Maximilian von Lippe und Michael Eder schließlich Silber erhielten. Ihr Vereinskollege Winfried Huber wollte in der M 60 seinen Titel verteidigen. Mit 43 Sekunden Rückstand auf den Sieger musste er sich mit der Silbermedaille zufriedengeben. Bei den bald anstehenden Crosslaufmeisterschaften wird der 62-jährige HNO-Arzt vermutlich wieder von sich aufhorchen lassen.

 

Nachfolgende weitere Ergebnisse bayerischer Läufer und Läuferinnen im Medaillenrang: Gold W 60: Ilse Storch (Laufclub Tölzer Land); Silber W 50: Waltraud Berger (TG Salzachtal), W 60: Heide Abendschein (LG Allgäu), M 35: Bruno Schumi (PTSV Rosenheim), W 40: Alexander Hirschberger (LG Allgäu), M 50: Franz Schweiger (LG Allgäu), M 55: Thomas Blum (LG Allgäu), M 65: Karl Kremser (TSV 1926 Königsdorf); Bronze W 50: Tanja Marjam Winter (LG Mettenheim), W 60: Gertrud Härer (LG Erlangen), M 35: Michael Eder (PTSV Rosenheim), M 40: René Manthee (LG Telis Finanz Regensburg), M 45: Wolfgang Wäger (LG Allgäu), M 50: Klaus-Peter Estermaier (LG Gendorf Wacker Burghausen), M 65: Ludwig Lang (SVG Ruhstorf/Rott).