Das war eine Überraschung: David Scheller holte soich DM-Gold in der männlichen U 18 // Aus den USA zum U 23-Titel: Emma Heckel // Die spannendste Entscheidung: Franziska Drexler (rechts) hatte nur knapp gegen Alia Budde das Nachsehen // Da machte Filimon Abraham (links) noch mutig Tempo // Bayerische Dominanz in der U 18: David Scheller und Tobias Tent // Das siegreiche Regensburger U 18-Team: (von links) Franziska Drexler, Karla Hiss und Hanna Müller // Hiob Gebisso // Reinmund Hobmaier. Alle Fotos: Theo Kiefner

26.11.2022 21:02 // Von: Dieter Claus

DM Cross Löningen: Bestes bayerisches Gesamtergebnis seit Jahren

„Eines der besten Crossergebnisse der vergangenen Jahre. Die weite Reise nach Niedersachsen hat sich mehr als gelohnt für die Bayern!“ Aus den Worten von BLV-Teamleiter Jörg Stäcker sprach großen Zufriedenheit über die Erfolge für die Läufer und Läuferinnen des Bayerischen Leichtathletik-Verband (BLV) bei den Deutschen Meisterschaften im Crosslauf in Löningen. Die Einzeltitel in der Altersklasse U 23 gingen mit Emma Heckel und Florian Brem komplett in den südlichen Freistaat, in der männlichen U 18 gab es überraschend Gold an David Scheller (LG Main-Spessart). Außerdem gewannen bayerischen Läuferinnen und Läufern noch eine Reihe von Medaillen und Mannschaftstitel.

Im Wettbewerb der Frauen über 6,35 Kilometer beherrschte Alina Reh (SCC Berlin) das Rennen, die natürlich den Spurt ihrer Verfolgerin Hannah Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) fürchten musste. In der Verfolgergruppe dominierte im Schlussteil Die Marathon-EM-Vierte Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg). Gleiches galt für deren Teamkollegin Emma Heckel in der U 23, in der die 20-Jährige, die in den USA lebt und studiert, Deutsche Meisterin wurde. Mit Dattkes drittem Gesamtplatz und dem 16. Platz von Kerstin Lieb holte sich das Regensburger Frauenteam mit neun Punkten Abstand den Meistertitel. Auch das U 23-Team der LG Telis Finanz Regensburg mit Emma Heckel, Hanna Ackermann und Susanne Brünnig ließ sich ebenfalls Gold umhängen.

 

Wer würde schnellster bayerischer Läufer auf der Mittelstrecke werden? Der EM-Finalist über 3000 Meter Hindernis, Niklas Buchholz (LSC Höchstadt/Aisch). und Hiob Gebisso (LG Stadtwerke München) mischten vorne mit. Am Ende wurde es für Buchholz der fünfte Platz und für Gebisso die "Holzmedaille". Er sah dies mit gemischten Gefühlen: „Ja der vierte Platz ist natürlich bitter-süß, gerade wenn bis kurz vor Schluss Platz drei in Sicht war. Aber am Ende bin ich trotzdem sehr zufrieden mit der Leistung, zumal vor dem Start eine Top-Ten-Platzierung das Ziel war. Allgemein muss man fairerweise ja auch sagen, dass die großen Kaliber auf der Langstrecke unterwegs waren.“ In der Mannschaftswertung erhielt Buchholz mit Theodor Schell und Alexander Bier die Bronzemedaille für seinen Verein.

 

Wer waren die „großen Kaliber“, wie Hiob Gebisso sie nannte, im Rennen der Langstrecke? Natürlich war es für die Telis Finanz Regensburg, ein Ziel, den Mannschaftstitel zu gewinnen. 9,8 Kilometer oder sieben Runden mussten gelaufen werden. 78 Läufer standen an der Startlinie. Die Strecke war schon ziemlich aufgeweicht. Die Sandpassage wurde zunehmend anstrengend. Und die „Kamelhügel“ hatten es auch in sich. Nach gut der Hälfte lag das Trio Filimon Abraham (LG Telis Finanz Regensburg), Samuel Fitwi Sibhatu (LG Vulkaneifel) und Markus Görger (LG Region Karlsruhe) an der Spitze. Es folgten mehrere kleinere Läufergruppen. Das Tempo machte Abraham. Er ging auch als erster Läufer in die letzte Runde, aber Fitwi Sibhatu und Görger folgten unmittelbar. Allmählich musste Görger abreißen lassen. Vor den "Kamelhügeln" stieg er - vermutlich mit Seitenstechen - aus dem Rennen aus. Wer von den verbleibenden zwei führenden Läufern würde als Erster attackieren? Auf der letzten Bergabpassage griff Fitwi an, Abraham konnte nicht mehr kontern. Der letzte Sieg in Löningen auf der längsten Strecke ging dann mit einer Sekunde Vorsprung an den Mann der LG Vulkaneifel. Die Mannschaftswertung holten sich wie erwartet die Regensburger: Filmon Abraham, Konstantin Wedel und Maximilian Zeus standen in 2022 so dann zum letzten Mal auf dem Siegerpodest bei einer Deutschen Meisterschaft. Unter die Top Ten fanden sich noch Karl Patrick (TV Ochsenfurt), und Nick Jäger (TSV Penzing).

 

Bremm oder Brem? Im Vorjahr siegte Benedikt Brem (LG Telis Finanz Regensburg) in der U 23. Florian Bremm (TV Leutershausen) ging als einer der Favoriten in Löningen ins Rennen. Schon nach zehn Minuten beteiligte sich Johann Ioannou-Nikolaides (LG Stadtwerke München) an einem Ausreißversuch, von dem sich die Favoriten allerdings nicht beeindrucken ließen. In der vierköpfigen Verfolgergruppe rannten Benedikt Brem und Florian Bremm. Letzterer hatte genügend Kräfte gespart, um sich schließlich nach 22 Minuten mit einem Zwischenspurt an die Spitze des Feldes zu setzen und den Sieg zu erringen. Benedikt Bremm wurde in der Einzelwertung Vierter, in der Mannschaftswertung wurde er mit seinen Teamkollegen von der Telis Finanz Regensburg Tobias Ritter und Ricardo Casanova mit der Goldmedaille belohnt. Der Sieger Florian Bremm resümierte nach seinem Sieg: „Mein Ziel war eine Platzierung in den Top Fünf. Ich hatte Zweifel an meiner Form, weil ich in den vergangenen Wochen bei meiner Arbeit bei der Landespolizei viel im Schichtdienst gearbeitet habe und deswegen nur wenig Umfänge machen konnte. Ich war dann auf einmal recht weit vorne und habe mich intuitiv für eine Attacke entschieden.“ Auf dem siebten Platz landete Tobias Ulbrich (LG Region Landshut).

 

4120 Meter über drei Runden musste die weiblichen U 18 laufen. Bereits sehr früh setzten sich Adia Budde (TSV Altenholz) und Franziska Drexler (LG Telis Finanz Regensburg) ab. Fast Schulter an Schulter liefen die beiden Läuferinnen in die Zielgerade. Nur mit einer Sekunde Rückstand musste sich „Franzi“ schließlich geschlagen geben. Es folgte bei Siegerehrung aber einen Trost für die 16-Jährige. In der Mannschaftswertung gab es für ihren Verein mit Karla Hiss und Hanna Müller die Goldmedaille. In der weiblichen U 20 belegte Julia Rath (LAC QuelleFürth) Rang sechs.

 

Eher ein taktisches Rennen entwickelte sich zunächst bei der männlichen U 18. Acht Läufer lagen in der Schlussrunde noch zusammen. Darunter auch David Scheller (LG Main-Spessart) und Tobias Tent (LG Stadtwerke München), der sich in der Höhe von Sankt Moritz vorbereitet hat und Deutscher U 18-Meister über 1500 Meter ist. Im Kampf um den Titel konnte er letztendlich nicht eingreifen, hier profilierte sich überraschend David Scheller. Auf der letzten Bergabpassage lag er noch zwei Meter hinter dem führenden Jonas Patri (Aachener TG). Der junge Nordbayer attackierte dann wenige Meter vor dem Strohballen und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Tobias Tent erkämpfte sich die Bronzemedaille. Mit Elias Kolar (TSG Roth 08)  wurde ein weiterer Bayer Achter. Die Silbermedaille erhielt er noch in der Mannschaftswertung mit seinen Teamkollegen Alexander Kaempf und Moritz Mühlpointner.

 

Bereits im ersten Lauf gingen die meisten Goldmedaillen an bayerische Teilnehmer. Die Senioren ab M 60 unddie Seniorinnen ab W 50 starteten über 4,12 Kilometer; teilweise lag die Strecke in dichtem Nebel. In der führenden Vierergruppe befand sich der Bayerische Crosslaufmeister Reinmund Hobmaier (PTSV Rosenheim), der sich in der Schlussrunde entschlossen von seinem Konkurrenten Stephan Bayer (GutsMuths-Rennsteiglaufverein) absetzen konnte und einen weiteren Deutschen Titel verbuchen konnte. Nach rund 17 Minuten gingen dann unmittelbar hintereinander zwei Titel an die LG Allgäu. In der M 65 siegte Wolfgang Leonhard und in der W 50 gewann Susanne Rossmanith. Sie war auch die schnellste Frau des Laufes. "Die Deutschen Crossmeisterschaften waren ursprünglich nicht in meinem Wettkampfkalender. Ich habe mich im Vorfeld des Rennens mit meinen Mitkonkurrentinnen beschäftigt und wusste, dass ich mutig mitlaufen musste, um aufs Podest zu kommen. Der Rennverlauf war optimal, da ich mit meinem etwa gleichschnellen Vereinskollegen Wolfgang Leonhard zusammenlaufen konnte. Am Ende war ich überrascht, dass keine andere Läuferin mithalten konnte." Eigentlich nicht überraschend waren die Titel in der M 70 und M 75. Viktor Daudrich und Wolfgang Huber (beide SVG Ruhstorf/Rott) brachten Edelmetall nach Niederbayern. Ihre Siege waren natürlich auch die Grundlage für die Mannschaftstitel des SVG in den Altersklassen M 60/M 65 und M 70/M 90. Betreuer Ludwig Grasmann, der selbst schon mehrere Crosslaufmeisterschaften erfolgreich organisiert hat, fand lobende Worte für die Organisation in Löningen: „Die Veranstaltung war perfekt organisiert. Die Strecke, ein 1300 Rundkurs, war sehr gut zu laufen, wenn er auch mit einigen Bodenwellen bestickt war. Die Siegerehrung wurde würdevoll durchgeführt.“