Zwei Aushängeschilder der LG Telis Finanz Regensburg: Florian Orth und Corinna Harrer bringen sich derzeit in Cervia in Form. Foto: Kosmider

23.04.2011 10:39 // Von: Dieter Claus

Corinna Harrer und Florian Orth im BLV-Interview: "Leichtathletik ist fast eine Randsportart"

Zahlreiche Vereine aus dem Bereich des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes nutzen die Osterferien für ein Trainingslager in Italien. Im Stadion von Cervia direkt an der Adria tummelten sich an den vergangenen Tagen viele Leichtathleten. Unter ihnen auch die Laufasse Corinna Harrer und Florian Orth, beide LG Telis Finanz Regensburg. Direkt vor Ort sprach mit ihnen blv-sport.de.

blv-sport.de:Corinna Harrer, Sie haben in den vergangenen Wochen bereits mehrere Meisterschaften gewonnen beziehungsweise erfolgreich daran teilgenommen. Welche Bedeutung hat dieses Trainingslager in Cervia noch für Sie?

 

Harrer: Wichtig ist für mich die Gemeinschaft in der Telis-Gruppe, die ich zwei Wochen genießen kann. Da bin ich unserem Hauptsponsor wirklich dankbar. Dann ist dieses Trainingslager natürlich sehr wichtig für die anstehende Bahnsaison. Das Training erfolgt jetzt vorwiegend im Stadion. Und die Saison beginnt ja bereits im Mai. Übrigens trainiere ich gerne mit Maren Kock, die sich mit ihrem Trainer unserer Gruppe angeschlossen hat.

 

blv-sport.de: Florian Orth, mit welchen Zielen gehen Sie in die anstehende Bahnsaison?

 

Orth:Ich habe zwei große Ziele: Da ist zum einen die Quali für die U 23-Europameisterschaften und dort dann natürlich eine optimale Teilnahme. Als alter Hesse möchte ich natürlich auch bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Kassel möglichst gut aussehen.

 

blv-sport.de: Mit welcher Bestzeit auf 1500 Meter wollen Sie die anstehende Bahnsaison dann beenden?

 

Orth: Unter 3:40 soll es auf jeden Fall gehen, wenn dann sich eine 3:38 ergibt, dann freue ich mich noch mehr.

 

blv-sport.de: Corinna Harrer, Sie laufen von 400 Meter bis zu 10 Kilometer auf der Straße. Wo wollen Sie 2011 Ihren Schwerpunkt setzen? Wo rechnen Sie sich international die größten Chancen aus?

 

Harrer: Die meisten Chancen sehe ich doch europaweit über 10 000 Meter. Ich will dennoch den Schwerpunkt auf der Mittelstrecke belassen. Ich bin eigentlich ganz heiß auf diese Saison

 

blv-sport.de: Ist das dann auch Ihre Lieblingsstrecke?

 

Harrer: Am liebsten laufe ich doch die 800 Meter. Eine Runde so richtig Gas geben und dann noch eine 400 Meter drauflegen, das macht Spaß.

 

blv-sport.de: Florian Orth, wie sieht bei Ihnen so ein wöchentliches Training aus?

 

Orth: Es ist auf jeden Fall abwechslungsreich. Grundlagentraining absolviere ich in der Vorbereitung auf die Saison natürlich mehr. Ich laufe dies sehr häufig während meines Studiums im Olympiapark. Dann muss natürlich Stabi-Training geleistet werden. Dies erfolgt dann unter der Betreuung meines Physiotherapeuten Martin Dorn am OSP in München. Dann mache ich natürlich auch viele Bahneinheiten, zum Beispiel eine Pyramide, also 200 Meter, 300 Meter, 400 Meter, 500 Meter, 400 Meter, 300 Meter, 200 Meter.

 

blv-sport.de: Sie gehören beide derzeit zu den schnellsten bayerischen Mittelstrecklern. Welche bayerischen Athleten sind Ihre schärfsten Konkurrenten?

 

Corinna Harrer: Mit Fabienne Kohlmann muss ich auf 800 Meter immer rechnen und über 1500 Meter mit Anne Kesselring. Über 10 000 Meter . . . , na, mal sehen. Gegen Fabienne freue ich mich schon in einem direkten Vergleich laufen zu dürfen.

 

Florian Orth: Schade, dass Philipp Pflieger zunächst als Konkurrent ausfällt. Die weitere Konkurrenz kommt aus unserem eigenen Stall der Telis-Finanz, alles andere ergibt sich in der Saison.

 

blv-sport.de: Corinna, Sie haben eine Vielzahl an bayerischen Meistertiteln in der Vergangenheit errungen. Über welchen Meisterschaftstitel haben Sie sich am meisten gefreut?

 

Harrer: Natürlich war das mein erster Titel über 100 Meter und 300 Meter damals in der W 15 sehr schön, weil diese Titel sehr überraschend kamen. Das war 2006.

 

blv-sport.de: Sie sind jetzt 20 Jahre alt. Einige Ihrer schärfsten Konkurrentinnen auf der Langstrecke, ich denke an Veronika Ulrich und Bernadette Pichelmaier, sind über 40 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen, noch über 20 Jahre die Mühsal für die Erfolge noch durchzustehen?

 

Harrer: Ja, es hängt natürlich davon ab, wie es läuft. Familie und Beruf haben eventuell einmal einen wichtigeren Stellenwert. Aber ich finde die Leistungen von Berni und Veronika für ihr Alter einfach bewundernswert.

 

blv-sport.de: Vermutlich ist die Vereinbarkeit von Studium und sportlichen Erfolg nicht immer einfach. Wie organisieren Sie diese Vereinbarkeit?

 

Harrer: Der Spitzensportstudiengang an meiner Hochschule in Ansbach gibt mir genügend Freiräume für mein Training und die Wettkämpfe. Ich kann vieles von zu Hause aus erledigen.

 

Orth: Noch ist die Vereinbarkeit möglich, mal muss eben das Studium, dann aber der Sport zurückstecken. Die Profs sind meist doch sehr verständnisvoll.

 

blv-sport.de: Sprechen wir einmal über das Geld. Welches Monatssalär würden Sie einem mehrfachen bayerischen Meister beziehungsweise einer mehrfachen bayerischen Meisterin der Leichtathletik im Vergleich zu anderen seriösen Sportarten zubilligen?

 

Harrer: Also, ich sehe ja, was meine Mitstudenten, die auch sportliche Erfolge haben, bekommen. Da verdiene im Vergleich verhältnismäßig wenig.

 

Orth: Weil die Leichtathletik nicht eine bedeutende Medienpräsenz hat, also zum Beispiel bei Fernsehübertragungen, spielt sie im Vergleich zum Fußball eine absolut untergeordnete Rolle. Hier sind wir fast eine Randsportart. Und dies obwohl wir eigentlich eine wichtige olympische Kernsportart ausüben.

 

Der Bayerische Leichtathletikverband bedankt sich für das Gespräch und wünscht Ihnen eine verletzungsfreie und erfolgreiche Saison.